Einige Stücke zum Verkauf

Donnerstagabend in der Saline: Starke Statements der Ferrarischule

Von links: Sofia Peintner, Luis Lämmle, Peter Maria Schlechter und Klara Lutz aus dem Team „Pro starke Frauen“. Einige der Entwürfe können gekauft werden.
© Rita Falk

120 Kreationen, 80 Models und ein Catwalk, der einiges aushalten muss: Die SchülerInnen der Ferrari-Schule zeigen am Donnerstag in der Saline Hall ihre große Modeschau – und setzen dabei bewusst auf ein „Pro“ in krisenreichen Zeiten.

Wenn Luis Lämmle über „Mutter Erde“ spricht, meint er kein Schulprojekt aus dem Fach Biologie. Sondern ein Kleidungsstück. „Für mich ist Mutter Erde die stärkste Frau der Welt“, sagt der Schüler der Ferrarischule in Innsbruck. Sein brauner Anzug mit Wasserfall-Rücken und erdbraunem Innenfutter gehört zur Gruppe „Pro starke Frauen“ – und steht damit exemplarisch für den Gedanken, der heuer über der großen Modeschau der Schule steht: Pro. Also: für etwas sein. Für etwas einstehen in Zeiten, in denen das Contra ohnehin oft laut genug ist.

Am Donnerstag, den 25.6., wird dieser Gedanke in der Saline Hall über den Catwalk geschickt. Ab 18.45 Uhr ist Einlass, wenig später wird aus monatelanger Vorbereitung ein Abend mit Licht, Musik, Stoff, Tempo und vermutlich ziemlich viel Herzklopfen. Der Catwalk ist lang, die Zahl der Entwürfe groß: Rund 120 Kreationen werden präsentiert, dafür braucht es etwa 80 Models. Eine Modeschau als logistisches Großprojekt also – und als Abschluss eines Schuljahres, in dem die SchülerInnen nicht nur entworfen, gezeichnet, genäht und inszeniert haben, sondern auch gelernt haben, was hinter einer Modenschau alles steckt.

Inspiriert von der Erdkugel entstand auch Luis Lämmles Schnitt aus einem Kreis. Er widmet seine Kreation für das Team „Pro starke Frauen“ zugleich der Natur. „Starke Frauen sind geerdet und naturverbunden“, sagt er, „sie wissen, woher sie kommen.“
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📽️ Video | Luis Lämmle über „die stärkste Frau der Welt“

Luis Lämmle weiß das besonders gut. Gemeinsam mit Eliana Zangerle kümmerte er sich um das Backoffice: Sponsoren suchen, Gäste einteilen, Plakate mit Illustrator druckreif machen. Dinge also, die man auf dem Catwalk am Ende nicht sieht – ohne die aber keine Show funktionieren würde. Genau darin liegt ein Teil des Zaubers dieses Abends: Die Mode steht im Mittelpunkt, aber dahinter arbeitet eine ganze Klasse daran, dass aus Ideen ein echtes Ereignis wird.

Begleitet wurde sie dabei von Gabriele Skach, Lehrperson für Projektmanagement und Fachvorständin für Mode, die selbst internationale Backstage-Erfahrung aus Mailand, Paris und Japan mitbringt. Man könnte meinen, Skach sei unaufgeregt. Ist sie aber nicht. Zumindest nicht ganz. „Es ist für mich trotzdem immer noch so aufregend wie bei meiner ersten Modeschau in meinem Leben“, sagt die Lehrerin.

Und diesmal, sagt sie, seien auch die SchülerInnen außergewöhnlich gewesen. „Man muss ja auch sagen, die Klasse hat so eine tolle Gemeinschaft und das sind alles Macher. Das gab es früher noch nie, dass bei einem Projekt alle SchülerInnen eine Funktion einnehmen wollten. Hier haben sich wirklich alle ausnahmslos beteiligt, und ich bin sehr imponiert von so vielen starken Menschen.“

Romantik als Stärke: Peter Maria Schlechter setzte im Team „Pro starke Frauen“ auf eine romantische Interpretation mit Rüschen und Volumen, denn: „Träume und Visionen starker Frauen sollten mehr Raum einnehmen dürfen.“
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📽️ Video | Peter Maria Schlechter: „Starke Frauen sind romantisch!“

Starke Menschen, starke Themen, starke Stoffe: Die SchülerInnen arbeiteten in vier Gruppen, jede mit einer eigenen Interpretation des großen „Pro“. Beim Team „Pro starke Frauen“ entstanden Entwürfe, die Weiblichkeit, Kraft und Vorbilder sichtbar machen – darunter Luis’ „Mutter Erde“, diese mächtige, nährende und zugleich verletzliche Figur, die auf dem Laufsteg mehr sein soll als nur ein Kostüm.

Peter Maria Schlechter zeigte eine romantische Interpretation des Mottos. „Starke Frauen sind romantisch und erlauben sich zu träumen“, sagt er. Gleichzeitig denkt er Mode deutlich weiter: Schlechter möchte später in die Fashionindustrie einsteigen – und dort am liebsten eine kleine Revolution anzetteln. „Ich möchte bestehende Kleidungsstücke neu interpretieren. Ich glaube an Second Hand und an Recyceln als Zukunft der Fashionbranche“, sagt er.

Emma Raggl, Angelina Walser, Anna Steinlechner und Lena Span (v.l.) zeigen im Team „Pro Rhythmus“, wieviel Bewegung in Kleidern stecken kann, ohne dabei überfüllt zu wirken.
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Das Team„Pro Rhythmus“ ließ sich von Musik leiten: Die Jugendlichen hörten Songs, nahmen Bewegung und Takt auf und übersetzten sie in Schnittzeichnungen.

Bei „Abenteuer im Kopf“ durfte es grenzenlos, wild und verrückt werden – Mode als Ausflug in innere Landschaften, in Fantasie, Übermut und Freiheit. Und das Team„Pro Tirol“ griff Karomuster, Almflair und regionale Codes auf, interpretierte sie aber neu: weniger Heimatkitsch, mehr frischer Blick auf Stoffe und Formen, die man zu kennen glaubt.

Christina Fankhauser, Majvi Reiner und Eva Pfattner brachten ihre „Abenteuer im Kopf“ in hochwertigen italienischen Stoffen zum Ausdruck.
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So entsteht ein Abend, der zeigt, was Mode im besten Fall kann: Sie schmückt nicht nur, sie behauptet etwas. Sie sagt: Schau her. So sehe ich die Welt. So klingt Rhythmus. So fühlt sich Tirol an, wenn junge Menschen es neu zusammensetzen.

Kleidungs- und Beweisstück

Für die SchülerInnen der Ferrari-Schule ist die Modeschau damit nicht nur eine Show aus Kleidungsstücken, sondern auch ein Beweisstück, dass aus einem Auftrag ein gemeinsamer Prozess werden kann. Dass Backoffice genauso wichtig ist wie Bühnenlicht. Dass ein Plakat, ein Sitzplan, ein Sponsorentelefonat und eine Naht am Ende zum selben großen Ganzen gehören. Außerdem werden manche der Kreationen nicht nur vorgeführt, sondern auch verkauft. Pro Zukunft eben.

Mode aus Innsbruck für alle

Christina Fankhauser, Sarah Raich, Majvi Reiner, Lena Würzl und Eva Pfattner und ihre Kreationen „Pro Abenteuer im Kopf“.

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Sarah Raich (l.) und Lena Würzl sind pro Abenteuer im Kopf.

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Team pro Tirol mit der Neuinterpretation von Karomuster: Eva Resch, Clemens Perwög, Livia Donix und Roya Sailer (v.l.).

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Sofia Peintners Interpretation für das Team „Pro starke Frauen“.

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Zur Musik kreiert: Anna Steinlechner ist Team „Pro Rhythmus“.

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Ein schönes Detail an Angelina Walsers Kreation für „Pro Rhythmus“.

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Emma Raggl präsentiert das Design mit Stehkragen für „Pro Rhythmus“.

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