Auch Tiroler mit dabei

Der harte Kontrast zur WM: „Über 100 Bundesliga-Fußballer suchen einen Verein“

In Reih und Glied kämpfen österreichische FußballerInnen am ÖFB-Campus um ihre Profikarriere.
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Fern vom Kampf um den WM-Titel kämpfen österreichische Profifußballer im Gewerkschaftscamp (younion) um ihre Profikarriere. Am ÖFB-Campus trainiert(e) auch der junge Tiroler Benedikt Huber.

Das Camp der aktuell vertragslosen Spieler am ÖFB-Campus in Wien-Seestadt – eben dort, wo sich unter besten Rahmenbedingungen das ÖFB-Team auf die WM eingestimmt hat – erzählt wie in jedem Jahr viele Geschichten. Jene von Benedikt Huber, der zum durchaus goldenen Tiroler Fußball-Jahrgang 2005 zählt, ist auch darunter. Schon 2021 übersiedelte das heimische Nachwuchsjuwel zur TSG Hoffenheim, ehe Huber Knieverletzungen lange Zeit außer Gefecht setzten und er im Frühjahr bei Zweitligist Austria Salzburg nicht wie erhofft durchstarten konnte.

Verletzung an Schnittstelle

„Ich habe mich leider genau am Übergang vom Nachwuchs in den Erwachsenenfußball schwer verletzt und habe in den vergangenen Jahren nicht so viel Spielzeit bekommen, wie man braucht“, erklärt der vielfache ÖFB-Nachwuchsteamspieler, der in jungen Jahren von Schmirn aus viele Kilometer zum Training der Tiroler Talenteschiene auf sich nahm. „Das Camp bietet ideale und professionelle Bedingungen mit einem super Training und einer super Unterkunft. Es fällt einem leichter, gemeinsam zu trainieren, als sich alleine fit zu halten. Und natürlich hofft man, dass sich dadurch wieder eine Tür in den Profifußball öffnet“, erklärt der 21-jährige Wipptaler.

Es fällt einem leichter, gemeinsam zu trainieren, als sich alleine fit zu halten.
Benedikt Huber

Ex-Wacker-Torjäger Thomas Pichlmann erklärt in seiner Gewerkschafts-Rolle, dass das kein Einzelschicksal ist: „Über 100 Bundesliga-Fußballer suchen geschätzt einen Verein, viele wählen ein Jahr Regionalliga zur Überbrückung.“

Ein Blick auf die Namensliste führt auch zurück in die Bundesliga – Namen wie Christopher Cvetko, Paul Mensah (zuletzt beide bei Absteiger BW Linz), vom Ex-Admiraner Deni Alar (immerhin zweifacher ÖFB-Teamspieler) oder Ex-WSG-Kicker Luca Kronberger (achtfacher U21-Teamspieler) sind ein Begriff. Es sind also „Alte“ und „Junge“, Herren wie Frauen unter den Teilnehmern, die kommen und gehen – je nachdem, ob die Chance auf einen Wechsel oder ein Probetraining besteht ...

Manchmal bin ich mehr Psychologe – aber ich kenne ja die Situation, weil ich sie schon selber erlebt habe.
Emin Sulimani, Camp-Cheftrainer

„Jeder der Sportler braucht etwas anderes. Einer wie Deni Alar ist am Ende seiner Karriere und hat etwas Geld auf die Seite gebracht. Dann gibt es junge wie Benedikt Huber, die am Anfang stehen – da braucht man einen unterschiedlichen Zugang“, erklärt Camp-Cheftrainer Emin Sulimani: „Manchmal bin ich mehr Psychologe – aber ich kenne ja die Situation, weil ich sie schon selber erlebt habe.“ 2012 fand er nach ausgelaufenem Engagement bei der Admira keinen neuen Club, als Trainer kam aufgrund des finanziellen Zusammenbruchs bei Zweitligist Stripfing Ende letzten Jahres das vorläufige Aus.

Frauen trainieren mit Männern

„Mir gefallen diese Wochen im Camp sehr. Aber nach Stripfing und meiner Pause würde ich auch gerne wieder selber am Platz stehen“, gesteht Sulimani die eigene Sehnsucht nach der Rückkehr ins Profigeschäft – die wird im Camp auch von Frauen geteilt. Aus Tiroler Sicht betrifft das Jana Mayer (24). Mit den Männern zu trainieren, sei Neuland: „Man muss sich mehr konzentrieren, aber ich war überrascht, wie gut das klappt“, erzählt die Ex-Wacker-Kickerin, die zuletzt für Neulengbach spielte. Ihr schweres Los: Der Bundesligist schlitterte im Frühjahr in ein Insolvenzverfahren: „Jetzt suchen sehr viele Spielerinnen einen Verein.“

Ob geteiltes Leid im alljährlichen Gewerkschaftscamp tatsächlich halbes Leid ist, hängt vom eigenen Zugang ab. Abseits der großen WM-Bühne wirft König Fußball auch andere Schattenseiten auf ...