Piusbrüder stellen sich mit eigener Bischofsweihe gegen das Verbot des Vatikans
Der ultrakonservativen Gemeinschaft droht der neuerliche Hinauswurf aus der katholischen Kirche. Aus ihrer Sicht waren die Reformen der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten Irrtümer.
Quasi im letzten Moment hat Papst Leo XIV. die ultrakonservative Piusbruderschaft angefleht, keinen Bruch mit der katholischen Kirche zu riskieren. „In diesem Geist und erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!“, schrieb das Kirchenoberhaupt in einem Brief.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. will in Écône in der Schweiz vier neue Bischöfe weihen. Das Spektakel soll am Mittwoch beginnen. Der Vatikan hat es ausdrücklich untersagt. Papst Leo bekräftigte in seinem Brief, dass eine eigenmächtige Bischofsweihe eine Abspaltung darstellt. Alle Beteiligten würden automatisch exkommuniziert, also aus der Kirche hinausgeworfen.
Sakramente ungültig?
Eine Abspaltung stelle eine „Sünde von äußerster Schwere“ dar, heißt es in dem Brief des Papstes weiter. Diese Sünde könne die Gläubigen der Gemeinschaft des „rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar des gültigen Empfangs der Sakramente berauben“.
Die Piusbrüder hatten die Warnungen und das Dialogangebot aus Rom schon zuvor zurückgewiesen. Alle Gespräche seien ergebnislos los geblieben, bilanzierte der Generalobere Davide Pagliarani im Mai. Er warf der Kirchenführung Irrtümer vor, „die den katholischen Glauben und die katholische Moral zerstören“.
Schon einmal draußen
Die Piusbrüder lehnen die meisten innerkirchlichen Reformen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ab und beharren auf alten, vorkonziliaren Formen des Gottesdienstes.
Ihr Gründer, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, hatte bereits 1988 gegen den Willen des damaligen Papstes Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Der Erzbischof und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die Kirchenstrafe aber im Jahr 2009 als Zeichen der Versöhnung wieder auf.
Zur Piusbruderschaft gehören laut ihren Angaben mehr als 700 Priester, davon 20 im Distrikt Österreich, sowie Ordensbrüder und -schwestern. Die Zahl ihrer Anhänger geben die Piusbrüder mit bis zu 800.000 an. (floo, dpa, KAP)
Kommentare