Ressourcen werden knapp

Russland fällt im Krieg zurück und bombardiert zivile Ziele

Eine Frau in Kiew umarmt nach einem russischen Bombenangriff ein weinendes Kind. Russland dementiert Angriffe auf zivile Ziele.
© AFP/Pilipey

Der Kreml verliert achtmal so viele Soldaten wie die Ukrainer. Er reagiert mit Luftschlägen und bedroht Europa.

Kiew – Russland hat in der Nacht auf Donnerstag wieder besonders schwere Luftangriffe auf die Ukraine geflogen. Allein in der Hauptstadt Kiew sollen mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen sein.

Die Luftangriffe richten sich offenbar verstärkt gegen zivile Ziele, was ein Kriegsverbrechen darstellen kann. Seit Mittwoch gerieten unter anderem Wohnblöcke, Tankstellen und ein Sammeltaxi ins Visier.

Weitere Sanktionen

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte am Donnerstag an, weitere Sanktionen gegen den „militärisch-industriellen Komplex“ in Russland vorzuschlagen. Je stärker Moskau Zivilisten angreife, desto schärfer müssten die Sanktionen ausfallen, so Kallas.

Die Angriffe gelten auch als Antwort darauf, dass der Krieg für Russland ungünstig verläuft. Der Ukraine gelingt es, den Krieg mithilfe von Langstreckenwaffen ins russische Hinterland zu tragen. Sie treffen die russische Öl-Infrastruktur, was zur Folge hat, dass der drittgrößte Ölproduzent sogar Benzin importieren muss.

1,4 Mio. Soldaten verloren

Auch bei der Truppenstärke verliert Russland angeblich zunehmend seinen Vorteil. Laut dem Center for Strategic and International Studies in Washington sei das Verhältnis zwischen getöteten russischen und ukrainischen Soldaten zuletzt auf 8:1 gestiegen.

Hauptgrund dafür sei der äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen, so das CSIS. Inzwischen übersteige die monatliche Zahl der russischen Verluste die der Neurekrutierungen. Insgesamt sollen 1,4 Millionen Russen getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden sein – sowie etwa 600.000 Ukrainer.

Europa schlecht verteidigt

Zugleich bereitet sich der Kreml offenbar auf einen möglichen Krieg mit Europa vor. Laut dem International Institute of Strategic Studies hat Russland von Schiffen aus Drohnen in die EU geschickt. Sie sollten strategische Ziele wie Flughäfen und Atomkraftwerke erkunden und die Verteidigung testen. Die Forscher sprachen von 144 Vorfällen in einem Dutzend Ländern.

„Wir glauben, dass die Kampagne weitgehend ungestraft durchgeführt wurde und eine Reihe taktischer Erfolge für den Kreml darstellt, gleichzeitig aber ein strategisches Versagen der alliierten Verteidigung bedeutet“, zitierte der Guardian aus dem Bericht. (floo, dpa)