Monate nach seinem Tod: Millionen bei Trauerfeier für Khamenei im Iran
Über vier Monate nach seiner gezielten Tötung bei einem israelischen Luftschlag wird der frühere Oberste Führer des Landes beigesetzt.
Die Streitkräfte des Iran haben vor Beginn der Trauerfeiern für den getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei ihre Feinde vor Angriffen gewarnt. „Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird“, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, die iranische Medien verbreiteten.
Am Freitag wurden in Teheran zahlreiche Staatsgäste zu den Trauerfeierlichkeiten empfangen. Das iranische Staatsfernsehen zeigte am Freitag unter anderem, wie Regierungsvertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan in der Hauptstadt landeten. Am Samstag beginnen die offiziellen Trauerfeierlichkeiten. Die Zeremonien dauern bis Montag an. Khameneis Leichnam soll dann in die Pilgerstadt Ghom und in den Irak gebracht werden, ehe er am kommenden Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beerdigt wird. Es werden mehrere Millionen Menschen aus dem Iran und aus Nachbarländern erwartet.
Aufbahrung in Großmoschee
Während der Trauerfeiern werden mehr als 65.000 Sicherheitskräfte in den Metropolen im Einsatz sein, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Zur Sicherung der betroffenen Provinzen werden demnach weitere 200.000 Kräfte stationiert. Aus Sicherheitsgründen will der Iran für mehrere Tage seinen Luftraum sperren.
Der Sarg des früheren Staatsoberhaupts wurde schon am Freitag in die Großmoschee Mosalla gebracht. Trauernde trugen Khameneis mit der iranischen Flagge bedeckten Sarg in den für große Feierlichkeiten konzipierten Komplex in der Hauptstadt. Dort soll der Leichnam Khameneis am Samstag öffentlich aufgebahrt werden. In der Mosalla werden die großen Freitagsgebete, offizielle Gedenkfeiern und religiöse Versammlungen abgehalten.
Khamenei wurde am 28. Februar durch einen von langer Hand akribisch geplanten israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in der iranischen Hauptstadt gezielt getötet. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Auch Dutzende iranische Generäle und einflussreiche Politiker wurden getötet.
Rätsel um Khameneis Sohn
Ali Khameneis Sohn Mojtaba ist Anfang März als Oberster Führer des Iran nachgerückt, er ist aber seit seiner Ernennung bisher nicht öffentlich aufgetreten. Mojtaba Khamenei soll bei dem Angriff, der seinen Vater tötete, schwer verletzt worden sein. Ob er an den Trauerfeierlichkeiten für seinen Vater in Teheran teilnehmen wird, ist bisher unklar.
Während Mojtaba Khamenei der Öffentlichkeit fernbleibt, ist als prominentestes Gesicht der iranischen Führung Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf ins Zentrum gerückt. Qalibaf stand zuletzt an der Spitze des Verhandlungsteams bei den Gesprächen mit den USA. Qalibaf war vor seinem Amt als Parlamentspräsident Kommandant der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der Revolutionsgarden und Polizeichef von Teheran. (TT, dpa, jec)