Beglien-Protest abgewiesen

US-Präsident Trump bestätigte: „Habe FIFA um Überprüfung der Roten Karte gebeten“

Eine Rote Karte verschwinden lassen? Für US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino, hier bei einem Besuch im Oval Office 2018, kein Problem.
© APA/AFP/MANDEL NGAN

Der Fußball als Spielball der Mächtigen? Die Aufhebung der Rotsperre von Folarin Balogun auf angebliche Intervention von US-Präsident Donald Trump sorgte für eine weltweite Welle der Empörung.

US-Präsident Donald Trump hat am Montag bestätigt, die FIFA um eine Aufhebung der Rot-Sperre von Folarin Balogun im WM-Achtelfinale gegen Belgien (Dienstag, 2.00 Uhr MESZ) gebeten zu haben. Trump sagte, er habe FIFA-Präsident Gianni Infantino um eine Überprüfung ersucht, „weil ich nicht fand, dass es ein Foul war“ und die Entscheidung „unfair“ gewesen sei. Infantino bestätigte am Montagabend ebenfalls das Gespräch und verwies auf die Unabhängigkeit der FIFA-Gremien.

„Wir müssen unsere besten Spieler haben, und sie müssen auch ihre besten haben“, sagte Trump über das Duell der US-Elf mit Belgien. Er ging auch auf die Szene ein, mit der sich Balogun im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina den Platzverweis eingehandelt hatte. Zwei „großartige Athleten“ seien zusammengestoßen und hätten sich ineinander verhakt, so Trumps Interpretation. „Das war kein Fall, in dem jemand zugeschlagen hat, was, wie Sie wissen, etwas anderes wäre.“

Infantino schrieb in einer Stellungnahme auf X, dass „die judikativen Gremien der FIFA unabhängig sind. Sie arbeiten autonom, wenden den FIFA-Disziplinarkodex an und entscheiden Fälle auf Grundlage der einschlägigen Bestimmungen und der konkreten ihnen vorliegenden Fakten. Ihre Unabhängigkeit ist für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Fußballs von entscheidender Bedeutung und muss stets respektiert werden.“

Das Gespräch mit Trump sei nichts Ungewöhnliches, betonte Infantino. Er spreche regelmäßig mit dem US-Präsidenten und erhalte auch immer wieder „Anrufe von Staats- und Regierungschefs, Regierungsvertretern, Fußball-Akteuren und Wirtschaftsführern aus aller Welt zu den unterschiedlichsten Themen“.

„Unabhängige judikative Gremien der FIFA“

Er habe Trump erklärt, „dass ein laufendes juristisches Verfahren unter Beteiligung der unabhängigen judikativen Gremien der FIFA anhängig sei und dass der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Instanzen entschieden würde. So funktioniert das System der FIFA, und das ist ein Grundsatz, den ich stets verteidigen werde.“

Außerdem teilte Infantino mit: „Ich lese die Entscheidungen des Disziplinarausschusses der FIFA, wenn sie veröffentlicht werden. Manchmal überraschen sie mich. Manchmal stimme ich ihnen zu, und manchmal bin ich anderer Meinung.“ Er respektiere die Entscheidungen und die Autonomie der Gremien. „Ob uns eine Entscheidung persönlich gefällt oder nicht, ist unerheblich. Die Achtung unabhängiger Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit ist es, die zu jeder Zeit die Integrität unserer Wettbewerbe und die Glaubwürdigkeit der FIFA schützt.“

Pröll: „Bedenklich“ - Klopp: „Verrückt“

Verdächtig finden indes viele andere das Vorgehen von Trump und der FIFA. „Die kolportierten Vorgänge vermitteln zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst bedenkliches Bild und gefährden das Vertrauen in unseren Sport. Jetzt ist die FIFA gefordert, im Sinne des Fußballs die Entscheidung der Gremien und den gesamten Entstehungsprozess lückenlos und transparent offenzulegen“, teilte Pröll noch vor Trumps Aussagen auf APA-Anfrage mit. Eine dringende Erklärung fordert auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf: „Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte ... ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll.“

Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt.
Jürgen Klopp, Trainer-Ikone und TV-Experte

Der womöglich künftige deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp war schlicht außer sich. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, sagte er als MagentaTV-Experte. „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage“, sagte Klopp weiter und meinte: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“

„Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen“

Mit Erstaunen reagierte auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel: „Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen“, sagte Tuchel. „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich.“ Belgiens Trainer Rudi Garcia sagte auf einer Pressekonferenz: „Ich wusste nicht, dass bei der FIFA-Weltmeisterschaft der 5. Juli nun der 1. April ist und dass es der Tag der Aprilscherze ist.“

Auch die Medien gingen mit Trump und Infantino hart ins Gericht. „Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen, als sie die Sperre für Folarin Balogun aufgehoben haben“, schrieb die Daily Mail. „Für Infantino ist keine Demütigung zu peinlich, wenn es darum geht, dem Anführer der freien Welt zu schmeicheln“ meinte The Telegraph. Der größte Skandal überhaupt bei einer WM“, meinte die spanische AS.

Sport-Staatssekretärin Schmidt fordert Aufklärung

Auch Österreichs Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt fordert Aufklärung. „Dass der US-Präsident ernsthaft versucht, in das Spielgeschehen einer Fußball-WM einzugreifen, ist schon für sich gesehen absurd. Dass er damit aber auch noch Erfolg hat, ist ein unglaublicher Tabubruch. Regeln müssen für alle gelten, und das Spiel muss auf dem Rasen entschieden werden und nicht im Oval Office“, schrieb sie in einer Pressemitteilung an die APA. „Wenn das so weitergeht, wird aus der Fußball-WM eine durchgescriptete Reality-Show, wo schon vor Spielbeginn feststeht, wer wie viele Tore schießt.“ Es sei an der Zeit, dass sich der europäische Fußball auf die Hinterfüße stelle und für eine integre Führung der FIFA sorge. (APA, dpa, TT.com)

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