Monster-Deal

Kanada kauft für 20 Mrd. Euro neue U-Boote in Deutschland

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius im heurigen April bei einem Besuch in der Werft von TKMS.
© AFP/FIscher

Ankara – Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara, der am Dienstag mit einem Abendessen begonnen hat, gaben die Teilnehmerstaaten eine Reihe von Rüstungskooperationen bekannt. Die größte Aufregung erzeugte die Entscheidung von Kanada, 20 neue U-Boote beim deutschen Hersteller TKMS in Kiel in Auftrag zu geben.

Das Projekt hat erstens eine enorme wirtschaftliche Dimension. Kanadas Premier Mark Carney sprach vom größten Beschaffungsvorgang in der Geschichte des Landes. Auch für TKMS handelt es sich um den bisher größten Auftrag.

Trump sorgte für Irritation

Die Details müssen erst noch ausgehandelt werden, aber für das Gesamtpaket inklusive Wartung wird ein Preis von gut 20 Mrd. Euro erwartet. Samt weiteren Kooperationen zwischen TKMS und Kanada ist die Rede von einer wirtschaftlichen Gesamtaktivität von mehr als 100 Mrd. Euro.

Von dem Projekt geht zweitens ein politisches Signal aus. Kanada hatte bisher den Großteil seiner Rüstungsgüter in den USA eingekauft. Doch unter US-Präsident Donald Trump kam es zu einer Verstimmung zwischen den Nachbarn. Trump hatte mit dem Gedanken gespielt, Kanada in die USA einzugliedern.

Kooperation für Jahrzehnte

Kanada wendet sich jetzt verstärkt den europäischen NATO-Partnern zu. Am U-Boot-Projekt ist neben Deutschland auch Norwegen beteiligt; die beiden Länder haben selbst je sechs U-Boote derselben Serie geordert. Die Kooperation ist auf Jahrzehnte angelegt.

Drittens hat der U-Boot-Deal auch eine strategische Dimension. Denn die neue Baureihe von TKMS ist speziell für den Einsatz in der Arktis ausgelegt. Die Arktis dürfte im Zuge des Klimawandels eine größere Bedeutung bekommen.

Weitere Rüstungsdeals zwischen NATO-Staaten, die am Dienstag bekannt wurden, betreffen u. a. Flugzeuge, Drohnen, Raketen und Luftabwehr. Zudem soll Trump bereit sein, die Türkei doch wieder am Militärjet F35 teilhaben zu lassen. Allerdings entscheidet er darüber nicht alleine. Der Kongress müsste die Sanktionen gegen die Türkei wieder aufheben. Hintergrund waren Sicherheitsbedenken der USA, weil die Türkei sich für ein russisches Luftabwehrsystem entschieden hatte. (TT, dpa)