Hermann Gmeiner wird nun aus dem Straßenbild in Imst getilgt
Der Gemeinderat beschloss mit großer Mehrheit, die Hermann Gmeiner Straße in Imst umzubenennen. Nach einer Befragung der gut 85 Haushalte heißt der Straßenzug künftig „Am Sonnberg“.
Imst – Seit Dienstagabend ist es fixiert: 18 der 19 Imster Gemeinderäte beschlossen die Umbenennung der Hermann Gmeiner Straße im Nahebereich des weltweit ersten SOS Kinderdorfes in „Am Sonnberg“. Damit ist für die Stadt Imst das Kapitel rund um den Mitbegründer der Institution Kinderdorf abgeschlossen.
„Mittlerweile liegt der Abschlussbericht der von Irmgard Griss geleiteten Reformkommission vor, die Gewalt und Missbrauch innerhalb der SOS-Kinderdörfer untersucht hat“, wird in einer Aussendung der Stadt Imst erklärt. „Darin werden im Zusammenhang mit Hermann Gmeiner 16 Verdachtsfälle von sexuellem beziehungsweise schwerem sexuellem Missbrauch angeführt. Acht Personen wurden bereits entschädigt.“ Für Bürgermeister Stefan Weirather steht fest: „Viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt haben Hermann Gmeiner gekannt und geschätzt. Missbrauch ist durch nichts zu entschuldigen – hier gilt eine klare Null-Toleranz-Politik.“
Bewohner entschieden mit
Mitte Mai gab es ein Treffen der Stadt mit den Bewohnern der Hermann Gmeiner Straße. „Manche wollten einfach nicht mehr in einer Straße leben, die diesen Namen trägt“, erklärt Weirather. Zur Wahl wurden den gut 85 Privathaushalten Varianten wie Edelweiß-Straße, Brunnenstraße oder „Am Sonnberg“ gestellt. Der Rücklauf nach zwei Wochen ergab eine Präferenz von 69 Prozent für „Am Sonnberg“. Die Hausnummern bleiben übrigens gleich.
Die Gegenstimme von Gemeinderat Friedl Fillafer bezog sich nicht auf die prinzipielle Umbenennung des Straßenzuges. Er kritisierte vielmehr, dass der gesamte Ortsteil den Namen Sonnberg trage. Ihm wäre ein anderer Name lieber gewesen.
Imst hat bereits „aufgeräumt“
Die Umbenennung der Straße ist nicht die erste Maßnahme in Imst. Bereits im Dezember wurde die nach Gmeiner benannten Volksschule in „Sonnberg“ und der Kindergarten in „Weinberg“ geändert. Zudem wurden Büsten und Statuen von Hermann Gmeiner aus dem Stadtbild entfernt. Eine Ehrenbürgerschaft der Stadtgemeinde besaß Gmeiner laut Informationen von Bürgermeister Weirather nicht.
Im Abschlussbericht der Reformkommission unter Irmgard Griss heißt es zum Thema Gmeiner: „Im Sinne einer ehrlichen und betroffenensensiblen Erinnerungskultur ist es in jedem Fall wesentlich, in einen offenen und kritischen Diskurs zu gehen und die Ehrungskultur und Gedenkpraxis, die an Hermann Gmeiner geknüpft ist oder war, zu kontextualisieren, künstlerisch umzugestalten oder auch zu entfernen.“
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