Machtkampf bei Frankreichs Rechten: Marine Le Pen stutzt politischen Ziehsohn zurecht
Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen will trotz Verurteilung in die Präsidentschaftswahl ziehen und sich nicht vom eigenen Zögling ausbremsen lassen.
Frankreichs rechte Ikone Marine Le Pen hat ein großes Ziel: Sie will kommendes Jahr in den Amtssitz des französischen Präsidenten, dem Élysée-Palast in Paris, einziehen. Für Marine Le Pen, welche die rechtsextreme Front National ihres Vaters Jean-Marie unter neuem Namen (Rassemblement National) in Richtung Mitte führte, ist es bereits der vierte Anlauf. Bei ihrer ersten Kandidatur 2012 landete sie in der ersten Wahlrunde auf Platz drei. 2017 und 2022 verlor sie in der Stichwahl gegen Emmanuel Macron. Doch nun stehen die Chancen gut. In Umfragen liegt sie seit Monaten mit über 30 Prozent deutlich vor allen möglichen Kandidaten anderer Parteien. Die Stichwahl um das Präsidentenamt geht am 2. Mai 2027 über die Bühne.
Justiz lässt Tür offen
Zuletzt sah es so aus, als würde die französische Justiz Marine Le Pen einen Strich durch die Rechnung machen. Wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder – das Verfahren drehte sich um die mögliche Scheinbeschäftigung von Assistenten mehrerer Europaabgeordneter – wurde sie im März des Vorjahres in erster Instanz zu vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung und zwei mit Fußfesseln, verurteilt. Die Richter erließen außerdem ein fünf Jahre dauerndes Verbot, für öffentliche Ämter zu kandidieren. Ein Pariser Berufungsgericht milderte jetzt das Urteil ab. Es verhängte am Dienstag ein Jahr Haft mit Fußfessel und entzog ihr das passive Wahlrecht für 15 Monate. Diese hat Le Pen seit dem Urteil in erster Instanz aber bereits verbüßt.
Bardella steht im Weg
Und Le Pen wittert nun wieder ihre Chance. Stunden nach dem Urteil kündigte sie an, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren – trotz Fußfessel. Doch es gibt ein parteiinternes Problem. Der Ziehsohn von Marine Le Pen, Jordan Bardella, hat sich seinerseits als Präsidentschaftskandidat in Stellung gebracht. Zudem begann sich der Parteichef des Rassemblement National von seiner Übermutter zu emanzipieren. Und: Der 30-Jährige gilt als der beliebteste Politiker Frankreichs. Da hat Marine Le Pen etwas dagegen. „Ich bin die Kandidatin für die Präsidentschaftswahl“, gab sie die Hackordnung vor.
Kommentare