Geiseldrama in Berliner Supermarkt beendet: Polizei überwältigte Täter
Die Geiselnahme in einem Supermarkt im Süden Berlins ist beendet. Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte den Täter am Samstagmorgen. Dabei wurde ein Taser eingesetzt. Der Mann wurde leicht verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Auch die befreite Frau, die mehr als elf Stunden gefangen gehalten wurde, kam in ein Spital. Nach ersten Angaben eines Polizeisprechers steht sie unter Schock.
Wie die Berliner Polizei auf X bekanntgab, wurden Täter und Opfer leicht verletzt. Kriseninterventionsteams waren am Samstag im Einsatz. Eine Schusswaffe wurde nicht eingesetzt. Vielmehr sei der Tatverdächtige mithilfe eines Distanzelektroimpulsgeräts (DEIG) festgenommen worden, berichtete die Polizei auf X. Die Geiselnahme wurde demnach von Spezialkräften der Polizei kurz nach 9.20 Uhr beendet. "Glücklicherweise ist hier niemand größer zu Schaden gekommen. Es gibt keine schwereren Verletzungen, die laut aktuellem Stand zu beklagen wären", sagte Polizeisprecher Florian Nath.
Die Hintergründe der Tat sind unklar. Der Sprecher machte zunächst keine Angaben zum Alter oder der Nationalität des mutmaßlichen Geiselnehmers. Nach ersten Erkenntnissen sollen der Mann und die Geisel vor der Tat in keiner Beziehung zueinander gestanden haben.
Kurz nach 22.00 Uhr hatte der Täter laut Polizei die Frau in dem Rewe-Markt im Stadtteil Marienfelde bedroht. Die Polizei nahm mit dem Geiselnehmer Kontakt auf. Der Mann habe verschiedene Forderungen gestellt. "Das waren Impulsforderungen, die sich im schwer nachvollziehbaren Bereich abgespielt haben", so der Sprecher. Sie hätten kein "akribischen Tatplan widergespiegelt".
Mitarbeiter berichtet von „sehr großem“ Messer
Ein Mitarbeiter des betroffenen Rewe-Supermarkts schilderte, wie er die Geiselnahme aus nächster Nähe miterlebt hatte. "Ich bin geschockt", sagte der 22-Jährige zu mehreren Journalisten. Seinen Schilderungen zufolge war der Supermarkt am Freitagabend kurz vor der Schließung. Er habe die übrigen Kunden rausschicken wollen, als ein Mann ein Messer gezogen habe. "Das Messer war schon sehr groß", berichtet er.
Er arbeite als Minijobber in der Filiale. "Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen." Das "funkelnde Messer" habe er aber gesehen. Er sei dann mit einer anderen Mitarbeiterin rausgelaufen und habe die Polizei gerufen. Die Frau ist nach Angaben des 22-Jährigen eine Mitarbeiterin. "Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt", sagte er.
Supermarkt großräumig abgesperrt
Der Supermarkt war großräumig abgesperrt, wie ein Reporter berichtete. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) war vor dem Gebäude positioniert. Zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr waren am Tatort.
Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt, weit entfernt vom Berliner Stadtgeschehen. Es ist eine ruhige Wohngegend, geprägt von Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Wohnbauten. In der Gegend befinden sich mehrere Schulen und Kindertagesstätten. (APA/dpa)