Kein Krieg und kein Frieden

Wie die USA und der Iran um die Straße von Hormuz ringen

Schiff vor der Küste der Emirate mit Fahrtrichtung Straße von Hormuz. Der Verkehr durch die Meerenge ist wieder fast zum Erliegen gekommen.
© AFP

Die USA und der Iran bleiben mit Angriffen, Drohungen und Forderungen nahe am Abgrund. Aber bis Samstag stürzten sie nicht ab.

Nach wechselseitigen Angriffen des Iran und der USA in der vergangenen Woche blieb die Lage am Samstag vergleichsweise ruhig. US-Präsident Donald Trump hatte zwar die Waffenruhe für beendet erklärt. Beide Seiten zeigten aber kein Interesse, den umfassenden Krieg wieder aufzunehmen. Hinweise auf eine Verständigung zwischen den Konfliktparteien gab es allerdings auch keine.

Für die jüngste Verwirrung sorgte eine Behauptung von US-Präsident Donald Trump. Demnach habe er der Wiederaufnahme der Verhandlungen zugestimmt – und zwar auf Bitte des Iran. Doch der Iran stellte dies ganz anders dar: Man habe keine neuen Gespräche mit den USA angestrebt, sondern lediglich dem Besuch eines Vermittlers aus Katar zugestimmt, erklärte das Außenministerium.

Wer kontrolliert die Meerenge?

Inhaltlich dreht sich der Konflikt offenbar weiterhin um die Kontrolle über die Straße von Hormuz. Diese war offen für die internationale Schifffahrt, bevor die USA und Israel mit ihrer Bombenkampagne gegen den Iran begannen.

Der Iran reagierte mit der Sperre der Wasserstraße – und will offenbar auch in Zukunft die Kontrolle behalten. Kontrolle wäre auch die Voraussetzung dafür, in Zukunft eine Art Maut für die Durchfahrt zu kassieren.

USA fordern Erklärung

Vor diesem Hintergrund soll die US-Regierung vom Iran bis spätestens Samstag eine schriftliche Erklärung gefordert haben, dass der Iran keine Handelsschiffe mehr angreifen werde. Das berichteten das Wall Street Journal und Axios. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war nicht bekannt, ob und wie der Iran darauf reagiert.

Der New York Times zufolge traf der iranische Außenminister Abbas Araghchi am Samstag zu Gesprächen im Oman ein, ein weiterer Anrainerstaat der Straße von Hormuz. Dem Vernehmen nach versuchten Vermittler der USA sowie von Katar und Pakistan, eine Telefonkonferenz zu organisieren, solange Araghchi sich im Oman aufhält.

Wer darf wen exekutieren?

Eine weitere Kontroverse zwischen den USA und dem Iran entzündete sich an der Frage des Umgangs mit den Staatsoberhäuptern der Gegenseite. Die USA und Israel hatten den Obersten Führer des Iran, Ali Khamenei, bei einem Luftangriff im Februar gezielt getötet.

Nach dem Abschluss der Begräbnisfeierlichkeiten hieß es am Samstag in einer Erklärung der iranischen Führung: „Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen.“ Die Erklärung wurde Mojtaba Khamenei zugeschrieben, dem Sohn und Nachfolger des Obersten Führers.

Trump droht mit Vernichtung

Der israelische Geheimdienst will laut US-Medien über konkrete Hinweise darauf verfügen, dass der Iran ein Attentat auf Trump geplant hat. Der US-Präsident reagierte mit der Drohung, „sämtliche Gebiete des Iran vollständig zu vernichten und zu zerstören“, sollte ihm etwas zustoßen.

Auf seiner privaten Plattform Truth Social schrieb Trump: „1000 Raketen sind scharf gemacht und auf die Islamische Republik Iran gerichtet.“ Tausende weitere würden folgen, sollte der Iran „den amtierenden Präsidenten der USA – in diesem Fall mich!“ ermorden, so Trump. (floo, dpa, APA)