Eskalation in Straße von Hormuz: US-Angriffe und brennendes Schiff
Die Lage in der umkämpften Straße von Hormuz ist in der Nacht auf Sonntag eskaliert. Nach dem Beschuss des Containerschiffes „GFS Galaxy“ hat das US-Militär den Iran angegriffen.
Wie das US-Zentralkommando Centcom mitteilte, wurden mehr als 300 Ziele getroffen. Handelsschiffe könnten die Schifffahrtsroute weiter passieren, betonte das US-Militär. Die iranischen Revolutionsgarden (IGRC) flogen Angriffe auf US-Militärbasen in den Golfstaaten und Jordanien.
Nach der Attacke auf das Handelsschiff wird ein indischer Staatsbürger vermisst, wie das Außenministerium in Neu-Dehli mitteilte. „Von den elf indischen Staatsangehörigen an Bord konnten bisher zehn gerettet werden, während ein indischer Staatsangehöriger Berichten zufolge vermisst wird“, teilte das Ministerium mit. Indien verurteile den Anschlag. Der Iran hatte zuvor mitgeteilt, ein Schiff auf einer nicht genehmigten Route sei von einem Warnschuss getroffen worden.
Auf einem weiteren Containerschiff brach bei einem erneuten Vorfall ein Brand aus. Die Besatzungsmitglieder hätten sich auf ein Rettungsschiff begeben, teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO am frühen Morgen mit. Die Crew sei dann gerettet worden. Die UKMTO berichtete zuvor, dass das Schiff östlich des Omans beschädigt wurde.
Vorwurf des Vertragsbruches
Der Iran warf den USA nach der bereits dritten Angriffswelle diese Woche Vertragsbruch vor. „Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis“, schrieb der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf auf X.
Auch Irans Militär warf US-Präsident Donald Trump vor, Zusagen nicht einzuhalten. „Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormuz eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht“, sagte Militärsprecher Amir Akraminia laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Gemäß dem Rahmenabkommen liege die Verantwortung beim Iran, sagte Akraminia weiter. Teheran bemühe sich gemeinsam mit dem Golfstaat Oman, „eine gemeinsame Verständigung und gemeinsame Regelungen in der Region durchzusetzen“.
140 iranische Ziele getroffen
Die US-Angriffe erfolgten auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump, hieß es vom US-Zentralkommando. Sie hätten sich unter anderem gegen Raketen- und Drohnenabschussrampen, Waffenlager und Marineeinrichtungen gerichtet. Rund 140 militärische Ziele seien getroffen worden. Laut dem Nachrichtenportal Axios wurden iranische Ziele im Bereich der wichtigen Schifffahrtsroute angegriffen.
Die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatte von Warnschüssen auf das unter zypriotischer Flagge fahrenden Schiff gesprochen. Es habe die maritime Sicherheit in der Meerenge gefährdet, teilten die Revolutionsgarden über ihren Kanal Sepah News auf Telegram mit. Demnach hätten zuvor mehrere Schiffe versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen der Revolutionsgarden ignoriert, ihre Route zu korrigieren.
Alarm in Golfstaaten
Nach nächtlichen Angriffen des US-Militärs gegen den Iran herrschte in den frühen Morgenstunden in mehreren mit den USA verbündeten Golfstaaten und in Jordanien Alarm. In Jordanien schlugen nach Armeeangaben drei iranische Raketen ein. Es sei niemand verletzt worden, teilte das Militär mit. Entstanden sei nur ein geringer Sachschaden. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten nach eigenen Angaben Raketenangriffe ab. Das Innenministerium von Katar teilte mit, drei Menschen seien durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden. In Kuwait war nach Armeeangaben die Luftabwehr im Einsatz. In Bahrain ertönten in den frühen Morgenstunden wieder die Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte.
Der Oman meldete Drohnenangriffe nahe der Straße von Hormus. In der nördlichen Provinz Musandam seien mehrere Ziele mit Drohnen angegriffen worden, berichtete die Staatsagentur ONA unter Berufung auf Militärkreise. Der Oman verurteilte die Attacken und erklärte, man werde alle notwendigen Schritte zum Schutz des Landes und der Bevölkerung ergreifen. Die zum Oman gehörende Enklave Musandam ragt in die Straße von Hormus hinein und grenzt an die Vereinigten Arabischen Emirate.
IRGC bestätigten Angriffe
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bekannten sich zu den Angriffen. Die Luftstreitkräfte hätten in einer ersten Phase „wichtige militärische Infrastruktur und Anlagen“ auf dem Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen, teilten die Revolutionsgarden über ihren Kanal Sepah News auf Telegram mit. Die Revolutionsgarden behaupteten, mit mehreren ballistischen Raketen ein Kommando- und Kontrollzentrum sowie Hangars für MQ-9-Drohnen zerstört zu haben.
Zu den Angriffen im Oman teilen die IRGC mit, sie hätten in der südlichen Provinz al-Wusta unter anderem Logistikzentren angegriffen, die vom US-Militär genutzt werden. Der dort liegende Hafen von Dukm wurde im Iran-Krieg bereits mehrfach angegriffen. Die Gegend liegt aber weit entfernt von dem Gebiet, in dem der Oman selbst Drohnenangriffe meldete. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.
Gespräche über Straße von Hormuz enden ohne Durchbruch
Als Grund für die Vergeltungsschläge nannten die iranischen Revolutionsgarden angebliche Versuche der USA, dem Oman „seinen Willen aufzuzwingen“. Unter anderem hätten die USA mehrere Schiffe zur „illegalen Durchfahrt durch die südliche Straße von Hormus“ angestiftet. Die sei durch die Reaktion der iranischen Marine verhindert worden. Zudem hätten die USA Ziele entlang der Südküste des Irans angegriffen. Die „fortgesetzte Aggression“ der USA werde zu „noch schärferen Reaktionen“ führen, hieß es in der Mitteilung weiter.
Der Iran und der Oman haben ihre Gespräche über die Straße von Hormuz indes ohne Durchbruch beendet. Beide Länder hätten beschlossen, die Gespräche auf politischer sowie technischer Ebene fortzusetzen, „um zu einer gemeinsamen Verständigung über die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt“ in der Meerenge zu gelangen, hieß es in einer Erklärung des iranischen Außenministeriums.
Nach Angaben aus Teheran nahm auch eine Delegation des Golfstaats Katar an dem Format in der omanischen Hauptstadt Maskat teil. Katar trat den Angaben nach als Vermittler zwischen dem Iran und den USA auf.
Iranische Tageszeitung fordert Rache
Eine auflagenstarke Tageszeitung im Iran veröffentlichte indes eine Infografik mit Racheaufrufen gegen Politiker aus dem Westen. Auf ihrer Website publizierte das Blatt Hamshahri aus der Hauptstadt Teheran eine Collage, die US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu mit einem Fadenkreuz auf der Stirn zeigt.
Auf der Infografik sind zudem die Köpfe europäischer Regierungschefs zu sehen, allesamt in orangefarbenen Shirts, wie sie für US-Häftlinge typisch sind. Unter ihnen ist auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. „Eine Liste derjenigen, die auf die Vergeltung des iranischen Volkes warten müssen“, betitelt die Zeitung den Onlineartikel. „Die Verbrecher werden den Wunsch nach einem ruhigen Tod mit ins Grab nehmen“, heißt es in der Grafik.
Am Samstag hatte Irans Führung Vergeltung für die Tötung des Ende Februar getöteten obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei geschworen. „Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen“, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung, die Khameneis Sohn und Nachfolger Mojtaba zugeschrieben wurde. (APA, Reuters, dpa, TT.com)
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