Sensation in Vilnius: Königlicher Schatz mit Tirol-Bezug entdeckt
Fast 90 Jahre lang galten kostbare Grabkronen und Insignien aus dem 16. Jahrhundert als verschollen. Nun wird der in der Kathedrale von Vilnius wiederentdeckte Schatz erstmals seit Jahrzehnten wieder öffentlich gezeigt.
Vilnius, Innsbruck– Eingewickelt in vergilbte Zeitungen aus dem Jahr 1939 und verborgen hinter einer zugemauerten Treppennische: In der Krypta der Kathedrale von Vilnius ist ein spektakulärer, lange verschollener Schatz wieder aufgetaucht.
Es handelt sich um königliche Grabinsignien und kostbaren Schmuck aus dem 16. Jahrhundert. Die Grabbeigaben litauisch-polnischer Herrscher sowie einer österreichischen Erzherzogin waren zu Beginn des Zweiten Weltkriegs versteckt worden, um sie vor Zerstörung und Plünderung zu schützen.
„Die wiederentdeckten Artefakte sind von unschätzbarem Wert“, erklärt die Kunsthistorikerin Giedrė Mickūnaitė. Sie kuratiert die neu eröffnete Ausstellung „Hidden Within“ im Museum des kirchlichen Erbes in Vilnius, wo die Relikte bis zum 30. Jänner 2027 zu sehen sein werden.
Fünftausendmal am Versteck vorbeigegangen
Zu den wertvollsten Exponaten zählen die Grabkronen und Insignien des polnischen Königs und litauischen Großfürsten Alexander Jagiellon (1461–1506) sowie der Königinnen Barbara Radziwiłł (1522–1551) und Elisabeth von Habsburg (1526–1545).
Elisabeth verbindet den spektakulären Fund unmittelbar mit Tirol: Die älteste Tochter des späteren Kaisers Ferdinand I. wuchs am Innsbrucker Hof auf und erhielt dort ihre Erziehung. Später wurde sie mit dem polnisch-litauischen Herrscher Sigismund II. verheiratet.
„Ich arbeite hier schon lange, seit mehr als zehn Jahren, und bin bestimmt fünftausendmal an diesem Versteck vorbeigegangen“, berichtet Alina Pavasarytė von der Museumsverwaltung bei einem Rundgang durch die Krypten. Sie selbst wäre allerdings nie auf die Idee gekommen, ausgerechnet dort zu suchen: „Sie waren wirklich gut versteckt.“
Mit der Endoskop-Kamera auf Spurensuche
Die Relikte waren ursprünglich im Jahr 1931 nach einem schweren Hochwasser in den unterirdischen Grabkammern entdeckt und anschließend ausgestellt worden. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs verlor sich jedoch ihre Spur. Jahrzehntelang rankten sich Legenden und Spekulationen um den Verbleib der Schätze.
Ende 2024 stießen litauische Fachleute mithilfe endoskopischer Kameras schließlich auf das Versteck. Die Insignien lagen hinter einer zugemauerten Nische in einem Bereich der Krypta, den auch Besuchergruppen passieren.
Ein Schatz also, an dem jahrzehntelang viele vorbeigingen, ohne etwas zu ahnen. Neben den Kronen wurden persönliche Schmuckstücke der Herrscher geborgen, darunter goldene Ringe mit seltenen Edelsteinen.
Die Allianz mächtiger Dynastien
Die Jagiellonen und die Habsburger gehörten im 15. und 16. Jahrhundert zu den einflussreichsten Herrscherhäusern Europas. Elisabeth von Habsburg wurde noch nicht ganz 17-jährig mit Sigismund II. August verheiratet. Gut zwei Jahre später starb sie in Vilnius.
Die Ehe war Teil der dynastischen Bündnispolitik beider Häuser. Polen und Litauen waren damals bereits eng miteinander verbunden. 1569, rund 24 Jahre nach Elisabeths Tod, schlossen sie sich in der Union von Lublin zur polnisch-litauischen Adelsrepublik zusammen. Diese zählte zu den größten Flächenstaaten Europas und erstreckte sich zeitweise von der Ostsee bis in die Nähe des Schwarzen Meeres. (APA, dpa, TT)
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