Großer Teil des Bozner Gerichtsgebäudes eingestürzt: „Nur knapp an Tragödie vorbei“
Am Donnerstagmorgen ist in Bozen ein Teil des Gerichtsgebäudes eingestürzt. Der Vorfall löste einen Großeinsatz aus. Für eine Reinigungskraft, die von Trümmern eingeschlossen wurde, endete der Vorfall glimpflich.
Bozen – Großeinsatz in Bozen: In den frühen Morgenstunden des Donnerstags ist ein großer Teil des Justizpalastes eingestürzt. Laut Berufsfeuerwehr Bozen fiel der mittlere Gebäudeteil mit Verhandlungssälen in sich zusammen. Eine Frau konnte sich aus dem eingestürzten Gebäude retten, sie wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Im Gebäude liefen seit einem Monat Umbauarbeiten an den tragenden Säulen. Das berichtete unter anderem das Südtiroler Nachrichtenportal stol.it.
📽️ Video | Teil des Justizpalastes in Bozen eingestürzt
Die Rettungskräfte wurden gegen 6.20 Uhr alarmiert, nachdem ein Teil des Innenbereichs des Gerichtsgebäudes kollabiert war. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an und sicherte das Areal ab. Mit einer Drehleiter verschafften sich die Einsatzkräfte einen Überblick über das Ausmaß des Schadens.
Eine Mitarbeiterin einer Reinigungsfirma soll von einem herabstürzenden Gebäudeteil getroffen und dabei leicht am Arm verletzt worden sein. Die Frau konnte telefonisch erreicht und über einen sicheren Ausgang aus dem einsturzgefährdeten Gebäude ins Freie gebracht werden, teilte die Feuerwehr mit. Auch andere Reinigungskräfte befanden sich im Gebäude, sie konnten dieses aber unverletzt verlassen. Gerichtspersonal bzw. Mitarbeiter waren zu der frühen Uhrzeit nicht zugegen.
„Wir sind einer regelrechten Katastrophe entgangen“, sagte Generalstaatsanwalt Corrado Mistri gegen Mittag. Die Einsatzkräfte durchsuchten die Trümmer noch mit Spürhunden, um weitere Opfer endgültig auszuschließen. Statiker sollen noch am Nachmittag die Stabilität des restlichen Gebäudes beurteilen.
Einsturz während Umbauarbeiten
Wie es zu dem Einsturz kam, war vorerst unklar und Gegenstand von Ermittlungen. Laut dem Land Südtirol waren die tragenden Säulen des Gebäudes eingeknickt. Dadurch brachen unter anderem die Säle des Schwurgerichts sowie vier darüber liegende Stockwerke ein. Wie das Land bestätigte, liefen in dem Gebäude zuletzt Umbau- und Erweiterungsarbeiten. Es habe sich um wichtige Arbeiten zur Verbesserung der Statik gehandelt.
„Sachverständige werden nun untersuchen, ob und in welchem Zusammenhang diese Arbeiten mit dem Einsturz stehen“, erklärte der Landesrat Bianchi, der laufend die Öffentlichkeit über die weiteren Entwicklungen zur Ursache informieren will. „Heute zählt vor allem eines: Dass wir keine Todesopfer zu beklagen haben und alles daransetzen, den Gerichtsbetrieb so schnell wie möglich wieder sicherzustellen“, so der Landesrat.
Gerichtsplatz abgeriegelt
Der gesamte Gerichtsplatz wurde vom Bozner Bürgermeister Claudio Corrarati bis auf Weiteres abgeriegelt. Corrarati zeigte sich in einer ersten Pressekonferenz tief erschüttert. Das Gerichtsgebäude sei ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt und habe für viele Bürger einen hohen Stellenwert. „Jetzt geht es darum, das Gebäude abzusichern und möglichst rasch Lösungen für den weiteren Betrieb der Justiz zu finden“, sagte Corrarati.
📽️ Video | Videoaufnahmen aus der Luft
Justizbetrieb soll rasch weiterlaufen
Oberste Priorität hat laut den Behörden nun die Sicherung des Gebäudes und die schnelle Wiederaufnahme des Justizbetriebs. Es wird bereits nach Ausweichräumen für dringende Verhandlungen gesucht. Da ein Teil der Gerichtsakten unter den Trümmern liegen dürfte, arbeitet das Justizministerium an Lösungen, um die Verfahren dennoch fortführen zu können. Auch IT-Lösungen für Remote-Arbeit werden geprüft. Rund 150 MitarbeiterInnen arbeiten normalerweise im Gerichtsgebäude. (TT.com)