Reform steht an: Glücksspiel-Riesen scharren bereits in den Startlöchern
Internationale Glücksspielkonzerne buhlen um den österreichischen Markt, kritisieren gleichzeitig mehrere Punkte im geplanten neuen Gesetz.
Die geplante Glücksspielreform hat in der Branche ordentlich Staub aufgewirbelt: Neben dem bisherigen Monopolisten Casinos Austria mit der Tochter Österreichische Lotterien bringen sich einige internationale Anbieter in Stellung. So zeigen der US-Anbieter Brightstar und die französische Lotterie-Gesellschaft FDJ United Interesse an der Lotto-Konzession. Entain (bwin), Evoke, Bet-at-home, Kaizen Gaming sowie Automatenbetreiber hätten gerne Lizenzen für Online-Spiele.
Der aktuelle Gesetzesentwurf enthalte jedoch ein paar Fallstricke, wie die Interessenten sowie die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) in ihren Stellungnahmen anführten: Es gebe kein Recht auf eine Konzession, auch wenn man alle Bedingungen erfüllt.
Kritik an Steuersystem
Dass sich die internationalen Anbieter für zumindest neun Monate vom österreichischen Markt zurückziehen müssen, wird ebenso kritisiert. Damit würden viele Spieler in den völlig unregulierten Schwarzmarkt wechseln und dort auch nach der Vergabe der Online-Lizenzen bleiben, kommentierte Kaizen Gaming den Entwurf. Fehlende Steuereinnahmen sowie kaum Spielerschutz wären hier die Folge.
Aber auch in puncto Steuern sehen die Interessenten dringenden Änderungsbedarf. Denn unter den geplanten Bedingungen sei der österreichische Markt nicht wirtschaftlich. Die gesetzliche Beschränkung bei Einsätzen und Gewinnen pro Spiel stößt ebenso auf Kritik der Online-Glücksspielanbieter wie die geplante Zwangspause bei längerer Spieldauer.
Von den Bruttospielerträgen – also den Einsätzen abzüglich der Auszahlungen – müssen 45 Prozent als Glücksspielabgabe entrichtet werden. Wird ein Spieler nach einer Klage entschädigt, schmälert dies die Abgabe jedoch nicht, kritisierte Evoke. „Das führt zu einer faktischen Doppelbelastung“, kommentierte Entain diese Bestimmung. Schließlich werde Geld besteuert, das man im Endeffekt nicht erhalten habe. Aber auch die Steuern auf Boni rief Interessenten wie Bet-at-home auf den Plan.
Mängel beim Spielerschutz
Ebenfalls beanstandet werden der Höchsteinsatz von 5 Euro und der Höchstgewinn von 10.000 Euro je Spiel – und zwar nicht nur von den internationalen Glücksspiel-Anbietern, sondern auch vom bisherigen Monopolisten Casinos Austria. Illegale Anbieter könnten hier interessantere Angebote machen, moniert Kaizen.
Anbieter aus dem Ausland brauchen eine Niederlassung in Österreich. Zudem muss die Vollstreckung österreichischer Zivilgerichte im Sitzstaat des Anbieters gewährleistet sein. Da Malta frühzeitig Glücksspiel-Lizenzen ausgegeben hat und die Branche besonders schützt, wären damit viele Interessenten vom österreichischen Markt ausgeschlossen, so Entain.
Hingegen sehen zahlreiche Sportverbände in den bereits budgetierten höheren Steuereinnahmen aus der Liberalisierung des Glücksspiels eine Möglichkeit, zusätzliche Mittel zu lukrieren. Grüne und Spielerschutz-Einrichtungen kritisieren Mängel beim Spielerschutz und bei der Kontrolle. (APA, TT)
Viele neue Regeln
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