Warum die Ukraine jetzt einen neuen Militärchef hat
Kiew – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich tagelangen Protesten gebeugt und einen Generationswechsel an der Spitze des Militärs verfügt. An die Stelle des bisherigen Oberkommandierenden Olexander Syrskyj, der noch in der Sowjetunion ausgebildet worden war, tritt der 43 Jahre alte Mychajlo Drapatyj.
Der neue Militärchef gilt im Gegensatz zum alten als populär. Er hat sich mit Husarenstücken in scheinbar aussichtslosen Situationen einen Namen gemacht. Vor allem aber gilt er als Vertreter einer neuen Generation von Generälen und der neuen Kriegsführung. Mit seiner Ernennung bemüht sich Selenskyj zugleich um politische Schadensbegrenzung.
Wütende Proteste
Der Streit über die Ausrichtung des ukrainischen Militärs war in der vergangenen Woche offen ausgebrochen. Im Machtkampf zwischen dem 35 Jahre alten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow und Militärchef Syrskyj hatte sich Präsident Selenskyj zunächst auf die Seite des Generals gestellt. Er entließ den Technologiespezialisten Fedorow und löste damit wütende Proteste aus.
Viele Ukrainer verbanden mit Fedorow den Einsatz von Technologie, um das Leben von Soldaten zu schützen und den Kriegsverlauf zugunsten der Ukraine zu drehen. Syrskyj hingegen steht für eine traditionellere Form des Abnützungskriegs und für eine Kultur im Militär, die Loyalität über Innovation stellt, berichtete die New York Times.
Schwerpunkt Innovation
Durch die Proteste – mangels Wahlen die einzige Möglichkeit zur demokratischen Kontrolle – sah sich Selenskyj zu einer Korrektur genötigt. Er entließ auch Syrskyj und setzte mit Drapatyj einen Militärchef ein, „dessen Schwerpunkt auf taktischen Innovationen, dem Einsatz von Drohnen und direkter Verantwortlichkeit liegt“, so die New York Times. Drapatyj genieße unter Soldaten und Reformern hohes Ansehen.
Der Richtungsstreit erschüttert die Ukraine zu einem brisanten Zeitpunkt. Ihr ist es in den vergangenen Monaten gelungen, durch den Einsatz von Drohnen und Kampfrobotern an der Frontlinie wieder in die Offensive zu gehen und zugleich den Krieg nach Russland zu tragen. (TT, dpa)
Kommentare