Politik reagiert gespalten

„Segregation“ oder „Inklusion“? Eigene Burkini-Stunde in Südtiroler Bad entfacht Diskussion

Ein Lido in Salurn bietet künftig montags für eine Stunde nach dem regulären Betrieb eine eigene Schwimmzeit für muslimische Frauen an. (Symbolbild)
© Ute Grabowsky/photothek.net via www.imago-images.de

Eine eigene Schwimmstunde für muslimische Frauen in einem Freibad in Salurn in Südtirol sorgt für eine italienweite Diskussion. Während die Betreiber und die lokale Politik von einem Beitrag zur Inklusion sprechen, kritisieren rechte Parteien die Initiative scharf als „Segregation“ und Zeichen einer gescheiterten Integration.

Salurn, Rom, Innsbruck – Ein Freibad im Südtiroler Salurn, das erstmalig eine eigene Schwimmzeit für muslimische Frauen anbietet, sorgt italienweit für Auseinandersetzungen. Wie die Tageszeitung Alto Adige berichtete, steht das Lido ab kommender Woche montags von 18.30 bis 19.30 Uhr – nach dem regulären Badebetrieb – muslimischen Frauen aus der Umgebung zur Verfügung. Während dieser Stunde ist das Tragen eines Burkinis ausdrücklich erlaubt.

Die Ganzkörper-Badebekleidung bedeckt bis auf Gesicht, Hände und Füße den gesamten Körper und entspricht den religiösen Bekleidungsvorschriften vieler Musliminnen. Pächter Luca Lechthaler bezeichnete die Sonderöffnung als Beitrag zu mehr Inklusion und als Teil des Auftrags eines öffentlichen Schwimmbadbetreibers. Auch anderen Vereinen würden außerhalb der regulären Öffnungszeiten vergleichbare Nutzungsmöglichkeiten angeboten.

Rechte Lega beklagt „Segregation“

Salurns Bürgermeister Roland Lazzeri erklärte, der Pächter könne über solche Zusatzangebote eigenständig entscheiden. Ziel sei es, möglichst allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Schwimmbad zu ermöglichen - auch jenen, die das Bad während der regulären Öffnungszeiten nicht nutzen könnten.

Die stellvertretende Parteichefin der rechten Regierungspartei Lega, Silvia Sardone, bezeichnete die Initiative als „absurd“. Sie fördere keine Integration, sondern Segregation, erklärte Sardone in einer Mitteilung. Die Trennung von Männern und Frauen sowie die Möglichkeit, während der Schwimmstunde einen Burkini zu tragen, institutionalisierten vielmehr eine Form der Abgrenzung zwischen den Geschlechtern und den verschiedenen Gemeinschaften.

Freiheitliche: Frauenbild mit Unterdrückung, Verschleierung und Zwang

Ähnlich äußerte sich die Südtiroler Freiheitlichen, die in der Landesregierung vertreten sind. Derartige Regelungen würden ein Frauenbild fördern, das auf Unterdrückung, Verschleierung und Zwang beruhe. Freiheitlichen-Obmann Roland Stauder sah in der Maßnahme ein weiteres Zeichen für eine gescheiterte Integrationspolitik. Linke und feministische Gruppierungen würden problematische Entwicklungen im Zusammenhang mit dem politischen Islam verharmlosen oder ignorieren, während sie gegenüber einheimischen Männern deutlich kritischer aufträten, kritisierte Stauder.

Anders sah die Lage die Senatorin der regierenden Südtiroler Volkspartei (SVP), Julia Unterberger. Sie bezeichnete die Initiative des Freibades als „Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion“. „Die Initiative ermöglicht Frauen, die das Schwimmbad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen. Sie trennt diese Frauen nicht von der Gesellschaft, sondern schafft vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Emanzipation entwickelt sich nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr Teilhabe“, kommentierte Unterberger. (APA)

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