Attacke mit 15 Stichen

Salman Rushdie schildert Messerangriff erneut vor Gericht

Starautor Salman Rushdie verlor bei dem Angriff vor vier Jahren ein Auge.
© MAX SLOVENCIK

Der Schriftsteller hat im Terrorprozess gegen seinen bereits verurteilten Attentäter Hadi Matar ausgesagt. Dem 28-Jährigen Angreifer droht eine lebenslange Haftstrafe.

Buffalo – Vier Jahre nach dem Messerangriff auf Salman Rushdie hat der Schriftsteller erneut vor Gericht über die Tat ausgesagt. Der 79-Jährige trat am Donnerstag im Terrorprozess gegen seinen bereits wegen versuchten Mordes verurteilten Attentäter Hadi Matar als Zeuge auf.

„Ich habe versucht zu entkommen, aber er lag auf mir und stach unaufhörlich auf mich ein“, sagte Rushdie nach einem Bericht der New York Times vor dem Bundesbezirksgericht in Buffalo im US-Staat New York. Matar hatte den Schriftsteller im August 2022 bei einer Veranstaltung der Chautauqua Institution angegriffen und 15-mal auf ihn eingestochen.

Rushdie wurde lebensgefährlich verletzt. Der Angriff machte ihn auf dem rechten Auge blind, schädigte seine Leber und lähmte zeitweise seine linke Hand. „Das Messer war einen Millimeter von meinem Gehirn entfernt“, sagte der Schriftsteller vor Gericht.

Auf Aufforderung des Staatsanwalts nahm Rushdie seine Brille ab und zeigte den Geschworenen sein erblindetes Auge. „Wie Sie sehen können, ist jetzt nichts mehr davon übrig“, zitierte ihn die New York Times.

Terrorismusvorwürfe gegen den Angreifer

Matar verbüßt bereits eine 25-jährige Haftstrafe. Eine Geschworenenjury hatte ihn im Februar 2025 wegen versuchten Mordes und Körperverletzung schuldig gesprochen. Die Tat selbst war angesichts zahlreicher Augenzeugen und Videoaufnahmen unbestritten.

Im nun laufenden Bundesverfahren geht es vor allem um das Motiv des Angreifers. Die Staatsanwaltschaft wirft Matar vor, mit der Tat die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz unterstützt und einen grenzüberschreitenden Terrorakt begangen zu haben. Er habe versucht, eine 1989 gegen Rushdie verhängte Fatwa zu vollstrecken. Matar plädierte auf nicht schuldig. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Der damalige iranische Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini hatte 1989 wegen Rushdies Roman „Die satanischen Verse“ zur Ermordung des Autors aufgerufen. Die Fatwa wurde nie offiziell aufgehoben. Nach Darstellung der Anklage fühlte sich Matar auch durch Äußerungen des früheren Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah bestärkt, der den Mordaufruf 2006 unterstützt hatte.

Rushdie verarbeitete den Angriff und seine Genesung in dem 2024 erschienenen Buch „Knife. Gedanken nach einem Mordversuch“. (APA, dpa, TT)