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Saudische Koalition greift Houthi-Ziele im Jemen an

Angriffe aus Schiffe im Roten Meer (Archivbild)
© APA

Nach einem Angriff auf ein Schiff im Roten Meer hat die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe auf Ziele im Jemen geflogen. Sie macht die vom Iran unterstützte Houthi-Miliz verantwortlich für die Attacke auf das unter saudi-arabischer Flagge fahrende Schiff und wirft ihr "maritimen Terrorismus" vor. Die Rebellen schworen dem benachbarten Königreich Vergeltung. Das US-Militär griff indes erneut einen Tanker auf dem Weg zu einem iranischen Hafen an.

Ziel der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition seien "legitime militärische Ziele" der Houthi in der jemenitischen Provinz Hodeidah gewesen, die mit der Bedrohung des Schiffsverkehrs im Roten Meer in Verbindung stünden, erklärte Koalitionssprecher Turki al-Maliki auf dem Onlinedienst X. Die inzwischen abgeschlossene Militäraktion sei verhältnismäßig gewesen und habe die Einsatzziele erreicht. Der Hafen von Hodeidah sei nicht angegriffen worden.

Houthi-nahe Medien hatten zuvor Luftangriffe in der Hafenstadt Hodeidah gemeldet. In den Berichten hieß es, Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft in Hodeidah sowie die Insel Kamaran seien getroffen worden. Auf Kamaran sei eine Frau verletzt worden. Zudem sei ein Arbeiter in Hodeidah verletzt worden. Andere Berichte sprachen auch von Angriffen auf den Hafen. Anrainer berichteten der Deutschen Presse-Agentur von mehreren Luftangriffen und Explosionen in der Umgebung des Hafens. Über dem Gebiet seien Flammen und dichte Rauchwolken aufgestiegen.

Ein Houthi-naher TV-Sender bezeichnete die Angriffe als "saudi-arabische Aggression". Die Angriffe auf zivile Ziele würden "nicht ungestraft bleiben", zitierte die von der Miliz kontrollierte Nachrichtenagentur Saba deren Mitteilung. Laut dem iranischen Sender Press TV folgten in der Nacht auf Samstag Gegenangriffe der Houthi in Saudi-Arabien. Demnach gab es unter anderem Explosionen in der Hafenstadt Yanbu. Auch die Küstenstadt Jisan soll mit Raketen attackiert worden sein. Die iranischen Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Zuvor war es im Roten Meer erneut zu einem Angriff auf ein unter saudi-arabischer Flagge fahrendes Schiff gekommen. Dabei sei der Rumpf der "NCC Masa" leicht beschädigt worden, berichtete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf eine Quelle in der Verkehrsbehörde. In der Nacht auf Donnerstag war bereits der saudi-arabische Öltanker "Encelia" angegriffen worden, woraufhin an Bord ein Feuer ausbrach. Die schiitischen Houthi reklamierten zwei Angriffe auf Öltanker des sunnitischen Königreichs für sich. Die von Teheran unterstützte Miliz hatte vergangene Woche auch einen saudi-arabischen Flughafen angegriffen.

Der Konflikt zwischen den Houthi und der Regionalmacht hatte sich zuletzt erneut zugespitzt. Die Miliz kündigte am Montag eine "Blockade" für saudi-arabische Schiffe an - rund eine Woche nach einer neuen Konfrontation mit dem benachbarten Königreich, mit dem die Miliz im Jemen seit mehr als zehn Jahren Krieg führt. Für Saudi-Arabien gelte ab sofort ein "Verbot der Schifffahrt", hieß es.

Die Miliz kontrolliert im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von dort aus können sie mit ihren Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen, die zusammen mit der Straße von Hormuz zu den wichtigsten Seewegen weltweit zählt.

US-Präsident Donald Trump hatte den Houthi und ihrem Verbündeten Iran bereits am Donnerstag mit Vergeltung gedroht, sollten erneut Schiffe von der Miliz angegriffen werden. "Sollten sie dies erneut tun, werden die USA den Iran zur Rechenschaft ziehen, da die Houthi als Stellvertreter des Irans agieren", teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Er kündigte "schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich auch gegen die Houthi selbst" an.

Einen Tag darauf sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus, dass die USA derzeit weiter Gespräche mit dem Iran führten. Dabei ließ er offen, ob es sich um direkte Gesprächskanäle handelt oder das Ganze über Vermittler läuft. Man spreche mit unterschiedlichen Personen, sagte Trump bloß. Nach Informationen des "Wall Street Journals" ist Trump in den vergangenen Tagen zunehmend skeptisch geworden, ob Verhandlungen mit dem Iran wirklich zu einem dauerhaften Frieden führen können. Die US-Zeitung zitierte einen ranghohen Regierungsbeamten, wonach Trump der Ansicht sei, dass der Iran nur militärische Gewalt verstehe. Der Präsident sehe außer der Fortsetzung der Luftangriffe kaum gute Optionen.

Die Houthi hatten das arme Land auf der Arabischen Halbinsel 2014 förmlich überrannt und in einen Bürgerkrieg gestürzt. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitische Regierung, während die Houthi Hilfe des Iran bekommen. 2022 trat in dem Konflikt eine Waffenruhe in Kraft, kleinere Gefechte gibt es allerdings weiterhin.

Die US-Armee hat nach eigenen Angaben unterdessen den Tanker "M/T Lavine" im Golf von Oman manövrierunfähig geschossen. Das Schiff habe versucht, eine Blockade iranischer Häfen zu durchbrechen, sagte ein US-Regierungsvertreter. Ein Sprecher des für die Region zuständigen US-Kommandos CENTCOM teilte mit, die Besatzung des Schiffs habe zuvor mindestens viermal versucht, die US-Blockade zu umgehen.

Die USA blockieren seit Mitte Juli wieder iranische Häfen und Küstengebiete. Ziel der Blockade ist es unter anderem, Teheran Einnahmen aus dem Ölexport zu verwehren. Schiffen wird nicht erlaubt, iranische Häfen anzusteuern oder von dort abzulegen. Seither war bis Mittwoch bereits ein Schiff mit Gewalt außer Gefecht gesetzt worden, mehrere wurden zu einer Kursänderung gedrängt.

Die Blockade und Angriffe der Houthi schürten die Furcht vor einer Ausweitung des Iran-Krieges. Zuletzt war der Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten, wieder eskaliert. Am Dienstag wird Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Weißen Haus empfangen.