„Märzengrund“ und mehr: Schauspieler Johannes Krisch ist tot
In Adrian Goigingers „Märzengrund“ spielte Johannes Krisch einen, der sich vor der Welt in den Tiroler Bergen versteckte. Nun ist der österreichische Schauspieler im Alter von 59 Jahren gestorben.
Wien – Vier Jahrzehnte hat Elias oberhalb des Zillertals verbracht. Erst eine schwere Erkrankung zwingt ihn zurück. In Adrian Goigingers Verfilmung von Felix Mitterers „Märzengrund“ spielte Johannes Krisch den älter gewordenen Aussteiger: einen wortkargen Mann, dem Entbehrungen genauso anzusehen waren wie die Freiheit, die er hoch über den Dingen leben konnte.
Die Rolle passte zu Krisch. Krisch konnte Härte zeigen, ohne sie auszustellen, und Verletzlichkeit, ohne sie zu betonen. Egal, ob er nun Serienmörder, Kleinkriminelle, väterliche Freunde oder etwas angeschlagene Liebhaber spielte. Seine oft spröde, körperliche Spielweise machte ihn zu einem der markantesten Darsteller des österreichischen Theaters und Films.
Jetzt ist Johannes Krisch gestorben. Das Theater in der Josefstadt, wo er zuletzt im Ensemble war, hat die Meldung am Montagmittag bestätigt. 59 Jahre alt ist er geworden.
Vom Tischler auf die Bühne
Krisch wurde am 8. Dezember 1966 in Wien geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Tischler. Zum Theater kam er auf Umwegen: Nachdem er für eine Produktion ein Bühnenbild gebaut hatte, begann er selbst zu spielen. Nach ersten Engagements gehörte er ab 1989 dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an, das er 2019 verließ. Danach spielte er unter anderem am Theater in der Josefstadt.
Am Burgtheater arbeitete Krisch mit Regisseuren wie Claus Peymann, Jürgen Flimm, Ruth Berghaus, Hans Neuenfels und Leander Haußmann. Er spielte Shakespeare, Nestroy, Grillparzer, Horváth und Thomas Bernhard.
An der Josefstadt war er unter anderem als Karl Bockerer zu sehen; für diese Rolle wurde er 2022 für den Nestroy-Preis nominiert.
Vom Burgtheater zum Kino
Auch im österreichischen Kino wurde Krisch zu einer festen Größe. In Götz Spielmanns „Revanche“ spielte Krisch den Kleinkriminellen Alex, der nach dem Tod seiner Freundin einen Polizisten zur Verantwortung ziehen will. Der Film wurde 2009 für den Auslandsoscar nominiert. Krisch machte aus Alex keinen tragischen Helden. Er spielte einen Mann, der sich in seinem Schmerz verrannt hatte und trotzdem weiterging.
In Elisabeth Scharangs „Jack“ verkörperte Krisch den Schriftsteller und verurteilten Mörder Jack Unterweger. Für seine Darstellung erhielt er 2016 den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller.
Er war in Fatih Akins „Aus dem Nichts“, Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ und Terrence Malicks in Südtirol gedrehtes Widerständler-Drama „Ein verborgenes Leben“ zu sehen. Zuletzt wirkte er auch in Wes Andersons „Der phönizische Meisterstreich“ mit. Auch internationale Produktionen setzten ihn gern dort ein, wo ein paar Szenen genügten, um einer Figur Gewicht und Geschichte zu geben.
2011 wurde Krisch bei der Diagonale für seine Rollen in „Die Vaterlosen“, „Vielleicht in einem anderen Leben“ und „Kottan ermittelt: Rien ne va plus“ ausgezeichnet. 2017 folgten dann der Große Schauspielpreis der Diagonale für Verdienste um die österreichische Filmkultur und die Ernennung zum Kammerschauspieler.
Herbert Föttinger, langjähriger Direktor des Theaters in der Josefstadt, würdigte Krisch gegenüber der APA als „einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation“ in Österreich: „Johannes Krisch besaß die seltene Gabe, Figuren nicht zu spielen, sondern sie im Augenblick zu erleben – und das Publikum daran teilhaben zu lassen. Seine Rollen waren nie bloße Darstellung, sondern gelebtes Leben. Mit einer Intensität, einer Wahrhaftigkeit und einer tiefen Menschlichkeit berührte er sein Publikum und prägte jede Bühne, auf der er stand.“
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