Wird längerer Zivildienst Pflicht? So viele Stellen sind in Tirol schon jetzt nicht besetzt
Die Dreierkoalition hat sich auf eine Reform von Wehr- und Ersatzdienst geeinigt. ÖVP-Ministerin Bauer geht davon aus, dass die Pflicht zum längeren Zivildienst bald kommt.
Zivildiener sind Mangelware. In Tirol mehr als in anderen Bundesländern. Aktuell versehen im Bundesland 675 junge Männer ihren Wehr-Ersatzdienst, vornehmlich bei der Rettung, viele auch in der Sozial- und Altenbetreuung. 434 von ihnen sind im heurigen Jahr gestartet. Bei weitem nicht genug: Die Organisationen hätten Bedarf für 112 weitere Zivildiener angemeldet. In keinem anderen Bundesland ist die Differenz in absoluten Zahlen größer.
Österreichweit können knapp 90 Prozent der Plätze besetzt werden. Die zuständige Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) rechnet aber mit zunehmenden Problemen. Berechnungen ihrer Fachleute ergeben, dass im Jahr 2040 rund 4000 Zivildiener fehlen. Die Rechnung lässt sich leicht aufstellen: Die Kinder, die dann als junge Männer den Dienst leisten, sind schon geboren. Mehr werden es nicht mehr.
Mit diesen Zahlen begründet die Ministerin auch ihre Forderung nach einer Verlängerung des Zivildienstes. Dieser dauert derzeit neun Monate. Bauer und die ÖVP wollten zwölf Monate. Dafür gab es aber neben dem Mangel auch einen zweiten Anlass: Neben einem längeren Grundwehrdienst, der künftig ebenfalls insgesamt neun Monate beträgt, sollte der Zivildienst nicht zu attraktiv sein. Die Sorge ist, dass sich zu wenige Soldaten finden.
NEOS lehnten Verlängerung des Zivildienstes ab
Vor allem beim kleineren Koalitionspartner NEOS konnte sich die ÖVP aber nicht durchsetzen. Vorläufig bleibt der Zivildienst bei neun Monaten. Eine freiwillige Verlängerung um zwei Monate wird möglich. Und nur wenn der Bedarf des Bundesheeres tatsächlich nicht gedeckt wird, sollen die zusätzlichen zwei Monate Pflicht werden.
Zivildienst in Tirol
Aktuell sind nach Angaben aus dem zuständigen Ministerium in Tirol 675 Zivildiener im Einsatz. 434 haben im ersten Halbjahr gestartet, das entspricht knapp 80 Prozent des Bedarfs. Tirol liegt damit deutlich unter den Österreich-Werten. Bundesweit können mehr als 87 Prozent der Stellen besetzt werden.
Die drei größten Einsatzgebiete sind in Tirol das Rettungswesen (158), die Sozial- und Behindertenhilfe (99) und die Altenbetreuung (92). Weitere 40 Zivildiener sind in Krankenanstalten eingesetzt, 16 leisten Sozialhilfe in der Landwirtschaft. Die anderen verteilen sich auf eine größere Anzahl an Einrichtungen.
Österreichweit sind aktuell 7935 Zivildiener tätig. Sie leisten ihren Dienst in rund 3000 Einsatzstellen von 1500 Organisationen.
Die meisten jungen Männer sind auch österreichweit im Rettungswesen tätig, gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe.
Das werde auch so kommen, vermutet Bauer: „Ich gehe davon aus, dass das sehr bald der Fall sein wird“, sagte sie am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem stellvertretenden Rotkreuz-Generalsekretär Peter Kaiser. Die beiden erwarten, dass sich mehr Personen zum Zivildienst melden, wenn der Wehrdienst länger dauert.
Dauer des Dienstes für viele Burschen wichtig
„Die Zahlen deuten schon in diese Richtung“, meinte Kaiser. Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) zitierte zuletzt entsprechende Daten. Demnach geben bei der Stellung rund 30 Prozent der 18-jährigen Burschen an, sich wegen der kürzeren Dauer für den Wehrdienst zu entscheiden.
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