Im Streit abgelöster Ex-Intendant tritt bei den Salzburger Festspielen auf
Markus Hinterhäuser begleitet bei Schuberts „Winterreise“ Matthias Goerne am Klavier und wird gefeiert. Nach den Turbulenzen der vergangenen Monate stand über dem Auftritt bis zuletzt ein Fragezeichen.
Salzburg – Gründe, nicht zu kommen, hätte er genug gehabt. Dass ein Liederabend so viel Aufmerksamkeit wie sonst nur die großen Opernproduktionen bei den Salzburger Festspielen bekommt, lag am Mittwochabend deshalb einzig und allein am Pianisten: Markus Hinterhäuser. Nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden als Intendant der Salzburger Festspiele im März stand er als Künstler weiterhin im Programm. Und trat am Ende tatsächlich auf.
Das Programm geändert
Nicht einmal seine Nachfolgerin Karin Bergmann konnte bis zuletzt sagen, ob das erste der beiden Konzerte Hinterhäusers im Großen Saal der Stiftung Mozarteum am Mittwochabend tatsächlich stattfinden würde, wie sie noch kurz zuvor gegenüber Ö1 klarstellte. Doch dass Hinterhäuser seit dem Auftakt der Konzertreihe Ouverture spirituelle immer wieder im Festspielbezirk und bei Veranstaltungen auftauchte, erhöhte die Wahrscheinlichkeit ebenso wie eine stille und heimliche Programmänderung seines Liederabends, den er zusammen mit Matthias Goerne konzipiert hatte.
Statt einer Auswahl verschiedener Lieder stand da auf einmal Schuberts „Winterreise“. Seit 2014 tritt das Liedduo immer wieder mit diesem Liederzyklus auf. Besonders in Erinnerung bei den Salzburger Festspielen blieb ihre Darbietung mit begleitenden Visualisierungen von William Kentridge 2019. Heuer nun also erneut die „Winterreise“ als Comeback im doppelten Sinne.
Asmik Grigorian applaudiert stehend
Am Mittwochabend lag spürbar Aufregung in der Luft, als nach der Durchsage mit der Bitte, die Handys auszuschalten, zwar das Licht gedimmt wurde, sich jedoch keine Tür auf der Bühne öffnete. Als einige Augenblicke später doch Matthias Goerne zusammen mit Markus Hinterhäuser auf die Bühne trat, brach umgehend Jubel aus. Einzelne Menschen im Publikum erhoben sich sogar von den Stühlen. Darunter auch Opernstar Asmik Grigorian (diesen Sommer als „Carmen“ bei den Festspielen im Einsatz), die laut und demonstrativ jubelte. Sie war zusammen mit Dirigent Teodor Currentzis zum Konzert gekommen. Beide gelten als Lieblinge Hinterhäusers und waren während seiner Zeit als Intendant Dauergäste im Programm.
Nachdem Hinterhäuser den frenetischen Auftrittsapplaus dankend abgewunken hatte, ging es direkt rein in Schuberts „Winterreise“. Schon nach wenigen Takten war klar: Diese Reise wird holprig, schnell und anspruchsvoll. In gewohnter grollender Manier polterte Goerne mit seinem Bassbariton schwer und gleichzeitig agil durch die ersten Lieder des Zyklus. Er sang sie weniger, als er sie erzählte, so wie man es ebenfalls von ihm kennt. Wem diese düstere, zuweilen schaurige Art des Vortrags gefällt, wurde nicht enttäuscht.
Wilder Ritt durch den Winter
Und Markus Hinterhäuser? Der folgte seinem langjährigen Liedpartner aufmerksam und gewohnt zurückhaltend beim wilden Ritt durch die Winterlandschaft. Seine Glanzmomente setzte er wohldosiert in den wenigen ruhigen Augenblicken, die Goerne zuließ. Etwa im „Irrlicht“ oder dem an Filigranität kaum zu überbietenden Meisterstück der beiden mit Gänsehautgarantie: dem „Leiermann“.
Diesem hätten die beiden gerne noch länger nachgespürt, doch das Publikum überschwemmte das Duo da schon mit frenetischem Jubel. Einige Male konnte es die beiden damit auf die Bühne zurückklatschen. Anstelle einer Zugabe gab es ein zufriedenes Grinsen und Winken von Hinterhäuser. So verließ er die Bühne, als wäre er nie weg gewesen. Das nächste Wiedersehen steht auch schon fest: Am 11. August gibt er zusammen mit Igor Levit ein weiteres Konzert in der Kollegienkirche – aller Voraussicht nach. (Von Larissa Schütz/APA)
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