Andrang von Migranten: Spaniens Afrika-Exklave Ceuta schlägt Alarm
1500 Migranten überwanden oft schwimmend die Grenzbarriere zu Ceuta. Regionalregierung fordert die Ausrufung des nationalen Notstands.
Die Ankunft von mehr als 1500 Migranten innerhalb weniger Tage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta hat die dortigen Behörden in Alarmbereitschaft versetzt. Unter den Ankömmlingen seien viele Minderjährige und Kinder, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE. Die Regionalregierung forderte von der Zentralregierung in Madrid die Ausrufung des nationalen Notstands und den Einsatz des spanischen Militärs an der Grenze zu Marokko.
Schwimmend über die Grenze
Premier Pedro Sánchez teilte auf der Onlineplattform X mit, man setze „alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren“. Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer „verzweifelten Situation“.
Die Migranten sind laut Behörden in den vergangenen Tagen überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt. Am Donnerstag erreichten erneut Hunderte Menschen das Gebiet, das nur knapp 85.000 Einwohner hat. Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten.
Aufnahmen zeigen überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangen, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll. Menschen laufen jubelnd über die Straßen.
Aber nicht alle, die in die EU wollen, schaffen es: Die spanische Polizeieinheit Guardia Civil entdeckte am Mittwoch innerhalb weniger Stunden die Leichen von zwei Menschen, die vermutlich versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. In den vergangenen zwölf Monaten wurden rund 60 Leichen von mutmaßlichen Migranten geborgen. Die Bilder wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt. Madrid warf Rabat damals „Erpressung“ vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen. (TT, dpa)