Cyberangriff auf Liechtenstein: Geheimdaten von Stiftungen gestohlen
Das Fürstentum Liechtenstein ist Opfer eines umfangreichen Cyberangriffs geworden. Die Daten von 31.000 Menschen seien abgegriffen worden, die hinter den diskreten Stiftungen und Treuhänderschaften stecken.
Wer hinter dem Cyber-Angriff auf Liechtenstein steht, war vorerst unklar. Seit Samstagabend tagt ein Krisenstab. Ziel des Angriffs war das „Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen“. In solchen Dateien sind Namen und andere Details von Personen hinterlegt, die hinter den diskreten Firmen, Stiftungen oder Treuhänderschaften stehen. Die Regierung führt dieses Verzeichnis nach eigenen Angaben, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern.
„Bisher keine Lösegeldforderungen“
Es seien Datenkopien von Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften digital abgegriffen worden, hieß es seitens der Regierung. Es sei ein Krisenstab unter der Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler einberufen worden. Durch den Angriff sei der Schutz personenbezogener Daten verletzt worden, hieß es. Wer hinter dem Angriff steht, ist laut Angaben der Regierung in Vaduz nicht bekannt.
Nach vorläufigen Erkenntnissen habe sich in der Nacht auf Donnerstag (30. Juli) „eine unbekannte Täterschaft widerrechtlich auf digitalem Weg“ Zugriff auf das Verzeichnis verschafft. Im Verlauf des Donnerstags seien beim Amt für Justiz Unregelmäßigkeiten aufgefallen, worauf das Amt für Informatik eingeschaltet worden sei. Dieses habe zur Sicherheit das betroffene System vom Netz genommen. Am Freitag schließlich sei die Regierung informiert und am Samstag seien die ersten bestätigten Ergebnisse der Voruntersuchungen an die Regierung übermittelt worden.
Auch Österreicher mit Stiftungen in Vaduz
Nach aktuellem Kenntnisstand bestünden keine Hinweise darauf, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, schrieb die Liechtensteiner Regierung weiter. In der Tagesschau-Hauptausgabe von Schweizer Radio und Fernsehen SRF sagte Regierungschefin Haas zudem, dass bisher auch keine Lösegeldforderungen eingegangen seien, ebenso wenig seien die Daten im Darknet aufgetaucht.
Auch viele ÖsterreicherInnen dürften Stiftungen in Liechtenstein haben, wie etwa der gefallene Immobilienmogul René Benko bzw. sein familiäres Umfeld.
Reiches, kleines Land
Das Fürstentum mit rund 41.000 Einwohnern gehört gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den reichsten Ländern der Welt. Mit nur 160 Quadratkilometern ist es nicht ganz so groß wie der Vorarlberger Bezirk Dornbirn und der kleinsten Länder der Welt.
Einer der erfolgreichsten Wirtschaftszweige sind Finanz- und Bankendienstleistungen. Vor vielen Jahren haben vor allem Europäer dort Stiftungen und Konten zur Steuerhinterziehung missbraucht. 2017 wurde das Bankgeheimnis in Steuerangelegenheiten aber aufgehoben. (TT, APA, dpa/sda)
Kommentare