„Äußerst ungewöhnlich“

Mysteriöse Todesfälle: Sorge um Rentiere auf norwegischer Insel Spitzbergen

Die tot aufgefundenen Tiere waren laut Forschern in der "kräftigsten und fruchtbarsten Phase ihres Lebens".
© IMAGO/AGAMI/O. Wildschut

Auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) haben die Behörden mehr als ein Dutzend ungeklärte Todesfälle bei Rentieren verzeichnet. Die hohe Zahl der verendeten Tiere auf dem Archipel in der Arktis sei für die Sommersaison "äußerst ungewöhnlich", erklärte das Büro des regionalen Gouverneurs am Donnerstag.

Bei einer jährlichen Zählung seien bisher 13 kürzlich verstorbene Rentiere – elf Weibchen und zwei Männchen – in zwei Tälern gefunden worden, die rund 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt liegen.

Es ist sehr ungewöhnlich, dass Weibchen im fortpflanzungsfähigen Alter und erwachsene Männchen im Sommer sterben.
Büro des regionalen Gouverneurs

"Es ist sehr ungewöhnlich, dass Weibchen im fortpflanzungsfähigen Alter und erwachsene Männchen im Sommer sterben. Deshalb wollen wir diese Entwicklung genau beobachten", hieß es in der Erklärung.

Was den Tod der Tiere herbeigeführt haben könnte, ist bisher unklar. Das Norwegische Institut für Naturforschung (Nina) teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, es gebe "keine eindeutigen Hinweise und auch keine konkrete Hypothese", um die ungewöhnlichen Todesfälle im Sommer zu erklären.

"Im Winter sterben vor allem die jüngsten und ältesten Tiere", sagte der Forscher Vebjorn Veiberg. Die tot aufgefundenen Tiere seien jedoch in der "kräftigsten und fruchtbarsten Phase ihres Lebens". Tierärzte suchen nun nach einer Erklärung für die Todesfälle. Doch auch eine Krankheit würde vermutlich nicht ausgerechnet die stärksten Tiere töten.

Die Behörden riefen die Öffentlichkeit dazu auf, weitere Funde von Tierkadavern zu melden. Die Inselgruppe ist etwa drei Mal so groß wie Niederösterreich. Auf der Inselgruppe, die zu 60 Prozent mit Eis bedeckt ist, leben rund 22.000 Rentiere – das ist siebenmal so viel wie die Einwohnerzahl. (APA/AFP)