Wert der Kinderbetreuung

„Familie ist kein Business Case“: Warum sich Christian Stocker entschuldigen muss

Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker empört mit einer umstrittenen Äußerung im Rahmen seiner Sommertour.
© GEORG HOCHMUTH

Der Bundeskanzler hatte im Rahmen seiner Sommertour in Salzburg gemeint, dass Kinderbetreuung für ihn keine unbezahlte Arbeit sei. Auf Empörung und Kritik lässt er nun eine Klarstellung folgen und betont den Wert der Kinderbetreuung.

Er würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) im Rahmen seiner Sommertour in Salzburg – und sorgte damit für Empörung von Grünen-Chefin Leonore Gewessler über die SPÖ bis hin zu FPÖ-Obmann Herbert Kickl. Freitagmittag entschuldigte sich Stocker: Der Satz sei „falsch“, räumte er in einer schriftlichen Stellungnahme ein. Und: „Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.“

Stocker hatte in Salzburg auf die Frage einer Frau zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie reagiert. Diese wollte wissen, wie der Regierungschef den Frauen 96 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche abgelten wolle. „Kinderarbeit ist für mich keine unbezahlte Arbeit“, so die Antwort. Und: „Wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als ich das habe.“

Familie ist nun mal kein Business Case. Nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt und gemeint.
ÖVP-Chef Bundeskanzler Christian Stocker

In seiner Klarstellung klingt Stocker nun anders. „Kinderbetreuung ist Arbeit“, betont er: „Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges.“

Der Lohn für Familienarbeit sei aber „nicht in Geld zu messen, sondern in Vertrauen, Zusammenhalt und in unzähligen gemeinsamen Momenten“. Wer Kinder betreue und erziehe, egal ob Mütter, Väter oder Großeltern, leiste einen „unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes“. Familie sei eben kein „Business-Case“, also kein Geschäftsfall: „Nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt und gemeint.“

Zwei Kinder mit berufstätiger Frau großgezogen

Der 66-jährige Bundeskanzler und ÖVP-Chef ist selbst Vater zweier erwachsener Kinder. Er habe diese mit seiner Frau gemeinsam großgezogen, in dieser Zeit seien beide berufstätig gewesen. Er wisse, was es heißt, ein Kind die ganze Nacht herumzutragen und wie sehr einen diese Aufgabe fordere. Er kenne aber auch die schönen Seiten.

Grünen-Chefin Gewessler hatte schnell reagiert und betont, dass Mütter keine Verhöhnung verdienten, sondern eine Entschuldigung. Ähnlich Kickl: „Diese ÖVP ist völlig empathielos, familienfeindlich und Lichtjahre von der Lebensrealität der eigenen Bevölkerung entfernt.“

Aber auch aus der SPÖ kam Kritik. Kinderbetreuung sei „wunderschön“, koste aber auch Kraft, Zeit und oft auch die eigene finanzielle Sicherheit, sagte die rote Frauensprecherin Sabine Schatz: „Diese Realität betrifft in Österreich noch immer vor allem Frauen.“