Kontrollen fehlen

Neunjähriger tot in Wohnung gefunden: Wurden wieder Pestizide illegal eingesetzt?

Schädlingsbekämpfungsmittel sind hochgiftig. In der Türkei werden sie illegalerweise oft in Wohnungen und Hotels eingesetzt.
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Vergangenes Jahr hatte der Tod einer vierköpfigen Familie, die in einem Hotel in Istanbul vergiftet wurde, für Entsetzen gesorgt. Nun dürfte ein Neunjähriger wegen des illegalen Einsatzes von Pestiziden gestorben sein.

Der Fall hatte vergangenes Jahr für Erschütterung gesorgt. Eine vierköpfigen Familie aus Hamburg wurde während ihres Besuchs in Istanbul in ihrem Hotel vergiftet und ist kurz darauf gestorben. Zuerst hatte man eine Lebensmittelvergiftung vermutet, Wochen später war klar, dass die Todesursache der illegale Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Pestiziden) war, die im Hotel verwendet worden waren.

Nun könnte es in der Türkei einen neuen Fall von illegalem Einsatz von Pestizidem mit tragischen Folgen geben. In der westtürkischen Stadt Canakkale sind der Leiter einer Insektenbekämpfungsfirma und ein Wohnungsinhaber verhaftet worden, nachdem in der benachbarten Wohnung ein neunjähriger Bub an einer mutmaßlichen Pestizidvergiftung gestorben war. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, hat der Vater das Kind und seine Mutter am Mittwoch bewusstlos in der Wohnung gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Mutter befinde sich weiterhin im Krankenhaus in Behandlung.

Anadolu gibt als mögliche Todesursache den Einsatz von Pestiziden in der angrenzenden Wohnung an. Ein weiterer Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma wurde nach vorübergehender Festnahme wieder freigelassen.

Bettwanzen bekämpfen

Pestizide werden in der Türkei häufig eingesetzt, um Bettwanzen oder anderen Insektenbefall in Privatwohnungen oder Beherbergungsbetrieben zu bekämpfen, doch der Einsatz der Chemikalien ist offiziell streng geregelt. Der Tod der vierköpfigen Familie hatte 2025 eine Debatte über die fehlenden Kontrollen ausgelöst.

Ende Juni verurteilte ein Istanbuler Gericht unter anderem den Hotelbetreiber und die Kammerjäger zu langjährigen Haftstrafen wegen „bewusster fahrlässiger Tötung". Der Anwalt der Familie hatte während des Prozesses gefordert, dass ein hohes Strafmaß in diesem Fall auch die staatlichen Verantwortlichen dazu bringen solle, ernsthafte Schritte einzuleiten und stärkere Kontrollen bei solchen Firmen durchzuführen.

Für die Überprüfung der Firmen und Zertifikate ist das Gesundheitsamt zuständig. Eine Recherche des ZDF berichtete von mehr als 30 mutmaßlichen Vergiftungsfällen in den vergangenen vier Jahren, wovon die meisten bisher nicht juristisch aufgearbeitet seien. (APA, dpa, wa)