Hunderte tote Schweine in Mastbetrieb entdeckt: Ermittlungen eingeleitet
Amstetten – Hunderte tote Schweine sind in einem Mastbetrieb im Bezirk Amstetten entdeckt worden. Der Landwirt dürfte sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben und mit den Tieren überfordert gewesen sein. Ermittlungen ergaben einen "Fehlbestand" von etwa 1000 weiteren Schweinen, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag. Kannibalismus unter den Tieren könne nicht ausgeschlossen werden. Der Mann wird angezeigt, der Betrieb wurde behördlich geschlossen.
Nachbarn hatten sich im Juli über Verwesungsgeruch beschwert. Die Polizei und die Amtstierärztin fanden am 24. Juli "400 verendete bzw. zum Teil bereits verweste Schweine", sagte der Sprecher. "88 Tiere waren am Leben, diese wurden auf umliegende Betriebe aufgeteilt", berichtete Baumschlager. Der Landwirt, der den Hof im Mostviertel alleine geführt hatte, dürfte die Schweine seit Jahresbeginn nicht gefüttert haben, wie auch Medien berichteten. Zwei Kontrollen ab dem 17. Juli soll der Mann durch Vorwände verhindert haben, am 24. Juli konnte die Überprüfung schließlich durchgeführt werden.
Anzeige wegen Tierquälerei
In Bezug auf etwaige weitere verendete Schweine waren Ermittlungen im Gange. Die Auswertung der An- und Verkaufslisten des Betriebes habe einen "Fehlbestand von etwa 1000 Tieren" ergeben, teilte Baumschlager zum aktuellen Stand der polizeilichen Erhebungen mit. Ermittlungen zum Verbleib dieser Tiere waren im Laufen, aufgrund von in dem Betrieb aufgefundenen Knochen könne Kannibalismus nicht ausgeschlossen werden.
Der Landwirt wird wegen Tierquälerei der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt. Weitere Konsequenzen sowie ein Tierhalteverbot werden geprüft, hieß es von der Bezirkshauptmannschaft auf Anfrage.
"Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, den man sich im schlimmsten Albtraum nicht ausmalen kann. Hier wurden hunderte Tiere den größtvorstellbaren Qualen ausgesetzt, und das über Wochen oder Monate", teilte Isabell Eckl vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) am Dienstag in einer Aussendung mit. Der VGT forderte "ein umgehendes Tierhaltungsverbot für den Verantwortlichen". "In solchen extremen Fällen" brauche es eine gesetzliche Neuregelung.
Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) sprach sich ebenfalls für eine Änderung aus, wie auch die "Krone" berichtete. Konkret gehe es darum, dass bei solch dramatischen Vorfällen künftig ein Tierhaltungsverbot sofort ausgesprochen werden darf und nicht gerichtliche Verfahren abgewartet werden müssen. (APA)