Längste Hitzewelle des Jahres in Italien dauert an, Ätna sorgt weiter für Flugchaos
Die aktuelle Hitzewelle in Italien dauert an: Für 19 der 27 Großstädte galt am Dienstag nach wie vor die höchte Warnstufe Rot. Auf Sizilien bereitet der Lava spuckende Ätna indes weiter Probleme im Reiseverkehr.
Italien erlebt derzeit die längste Hitzewelle des Jahres. Nach Einschätzung des Atmosphärenphysikers Lorenzo Giovannini von der Universität Trient soll die seit Ende Juli andauernde extreme Hitze mindestens bis zum 17. August anhalten. Damit würde die vierte Hitzewelle des Jahres 20 Tage dauern. Der Klimawandel trage dazu bei, dass solche Perioden länger andauerten und in kürzeren Abständen aufeinanderfolgten, sagte Giovannini am Mittwoch der Nachrichtenagentur ANSA.
Die aktuelle Hitzeperiode begann am 29. Juli. Bereits im Mai hatte Italien eine erste Welle erlebt, die acht bis neun Tage dauerte. Nach 18 Tagen mit normalen Temperaturen folgte vom 18. bis 30. Juni eine zweite, zwölf bis 13 Tage lange Hitzeperiode. Nach einer etwa einwöchigen Unterbrechung setzte am 7. oder 8. Juli die dritte Hitzewelle ein, die bis zum 20. Juli anhielt.
Afrikanisches Hoch verlagert sich weiter nach Norden
Nach Angaben des Wissenschafters hat sich dabei offenbar die Wetterlage verändert. Hitzewellen seien früher vor allem durch die Verlagerung des afrikanischen Hochdruckgebiets nach Norden entstanden. Wenn anschließend das Azorenhoch die Oberhand gewonnen habe, seien die Temperaturen wieder zurückgegangen. Inzwischen habe sich das afrikanische Hoch im Durchschnitt weiter nach Norden verlagert. Dadurch könne die sehr warme Luft aus Nordafrika Italien leichter und länger erfassen.
Die genauen Mechanismen dieses Phänomens würden noch untersucht, sagte Giovannini. Wegen der Klimakrise sei jedoch damit zu rechnen, dass Italien dauerhaft stärker unter den Einfluss des afrikanischen Hochdruckgebiets gerate.
Folgen deutlich zu spüren
Die Folgen der aktuellen Hitzewelle sind bereits deutlich zu spüren. Von den 27 größeren Städten, die das italienische Gesundheitsministerium für seine Hitzewarnungen überwacht, standen am Dienstag 19 auf der höchsten Warnstufe Rot. Am vergangenen Donnerstag waren erstmals alle 27 Städte gleichzeitig von der höchsten Warnstufe betroffen. Nachfolgende Gewitter sorgten vor allem in Teilen Norditaliens für einen leichten Rückgang der Temperaturen.
Die rote Warnstufe 3 bezeichnet einen Hitzenotstand mit anhaltend hohen Temperaturen und einem hohen allgemeinen Gesundheitsrisiko. Sie gilt auch für junge und gesunde Menschen. Experten schätzen, dass die überdurchschnittliche Hitze in diesem Sommer in Italien zwischen 5.000 und 7.000 zusätzliche Todesfälle verursachen könnte.
700 Flüge wegen Ätna-Ausbruch gestrichen
Indes sorgt im Süden des Landes der Ätna weiter für Probleme: Am fünften Tag der jüngsten Eruptionsphase des sizilianischen Vulkans haben sich zwei weitere Lavaströme gebildet. Gleichzeitig sorgte eine Aschewolke weiterhin für massive Einschränkungen am Flughafen von Catania auf Sizilien. Der Airport ist praktisch seit fünf Tagen nur eingeschränkt nutzbar und bleibt wegen der Sperre des Luftraums bis Donnerstag um 16.00 Uhr geschlossen. Tausende Reisende sitzen fest oder mussten auf die Flughäfen Palermo und Comiso ausweichen.
Die Eruptionsphase des Ätna hat damit erhebliche Auswirkungen auf den Reiseverkehr der Hochsaison. Seit Montag können in Catania aus Sicherheitsgründen keine Maschinen mehr landen oder starten. Für viele Urlauber bedeutet das Umbuchungen, lange Wartezeiten und zusätzliche Fahrten quer durch Sizilien. Andere sahen sich gezwungen, ihre Reisepläne gänzlich aufzugeben.
Zwischen dem 8. und 11. August fielen am Flughafen Catania nach Angaben der Betreibergesellschaft Sac rund 700 Flüge aus oder konnten nicht wie geplant durchgeführt werden. Allein rund 400 Abflüge wurden gestrichen. Weitere 52 Flüge fielen am Mittwoch aus. Hinzu kommen zahlreiche Verbindungen, die wegen der durch die Vulkanasche beeinträchtigten Lufträume auf andere Flughäfen verlegt wurden. Mehr als 250 Flüge wurden bisher auf andere Flughäfen umgeleitet oder dort neu organisiert. (APA, TT.com)
Kommentare