Luftalarm in Lettland: Kampfjets schießen Drohne ab
Eine Drohne ist in den lettischen Luftraum eingedrungen und von Kampfjets eines NATO-Partnerstaats abgeschossen worden. Nach Militärangaben haben italienische Eurofighter das Flugobjekt vom Himmel geholt. Details zur Herkunft der Drohne wurden zunächst nicht genannt. Nach dem Vorfall hob Lettland einen zuvor ausgerufenen Luftalarm wieder auf. Finnland richtete inzwischen eine Sperrzone ein.
Lettische Soldaten suchten anschließend in einem Waldgebiet nahe dem Dorf Rugaji nach Trümmerteilen. Das Gebiet liegt rund 35 Kilometer von der Grenze des baltischen Staates zu Russland entfernt. "Wir können keine Angaben zur Herkunft der Drohne machen, da das Gebiet noch nicht durchsucht ist", sagte die lettische Militärsprecherin Iveta Berzina dem öffentlichen Rundfunk LSM.
Dem Vorfall waren in der Nacht ukrainische Angriffe auf russische Häfen in der Nähe von St. Petersburg vorausgegangen. Der dortige Gouverneur Alexander Drosdenko teilte auf der Nachrichtenplattform Telegram mit, die russischen Streitkräfte hätten 15 ukrainische Drohnen abgeschossen. St. Petersburg liegt in der Nähe von Finnland und den baltischen Staaten.
Der NATO-Sprecherin Allison Hart zufolge stiegen nach der Ortung der Drohne über lettischem Luftraum zwei italienische Eurofighter-Jets von Litauen und zwei türkische F-16 von einem Stützpunkt in Estland aus auf. Einer der Eurofighter habe die Drohne identifiziert und abgeschossen. "Alle Flugzeuge operierten unter NATO-Kommando. Eine Untersuchung des Vorfalls läuft, und die NATO steht in engem Kontakt mit den lettischen Behörden", sagte Hart. Die NATO sei "bereit und in der Lage, auf alle potenziellen Bedrohungen zu reagieren, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, um unser Territorium zu sichern und unsere Bevölkerung zu schützen."
Größere NATO-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert.
In den baltischen Staaten kam es in diesem Jahr bereits mehrfach zu Verletzungen des Luftraums durch ukrainische Militärdrohnen. Im Mai schoss eine rumänische F-16 eine ukrainische Drohne in Estland ab.
In Lettland hatte zuletzt im Juni eine französische Rafale eine Drohne vom Himmel geholt. Bei ukrainischen Angriffen drangen bereits mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den lettischen Luftraum ein und stürzten ab. Größere Schäden oder Verletzte gab es dabei nicht. Die Vorfälle lösten aber eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel. Die neue Regierung hatte kurz nach ihrem Amtsantritt Ende Mai ein Abkommen mit der Ukraine zu einer stärkeren Zusammenarbeit bei der Drohnenabwehr geschlossen.
Finnland, ebenfalls Mitglied der EU und der NATO, schränkte als Vorsichtsmaßnahme am Freitagmorgen den Flug- und Seeverkehr im östlichen Finnischen Meerbusen vorübergehend ein.
Ein an der Suche beteiligter lettischer Militärkommandant sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Ort des vermuteten Absturzes erschwere die Bergung der Trümmer. "Dieses Gebiet ist stark bewaldet mit relativ verstreuten Gehöften, was das Gelände schwierig macht. Wälder, Sümpfe und unterschiedliche Vegetationstypen bedeuten natürlich, dass die Suche alles andere als einfach ist", sagte er.
Die nördlichen NATO-Nachbarn Russlands verschärfen derzeit die Sicherheitsvorkehrungen rund um Staudämme, Kraftwerke und Erdgasinfrastruktur. Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass die Regierung in Moskau einen Angriff unter falscher Flagge mit ukrainischen Drohnen auf diese Einrichtungen inszenieren könnte.
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