Jugendliche gezielt süchtig gemacht? Tech-Gigant Meta soll 200 Mrd. Dollar zahlen
Vor einem Bundesgericht in Kalifornien hat am Dienstag ein Prozess begonnen, der die Social-Media-Branche umkrempeln könnte.
Oakland – Meta wird vorgeworfen, Jugendliche süchtig nach Facebook und Instagram gemacht zu haben. Am Dienstag begannen in Kalifornien die Plädoyers eines Prozesses, in dem Dutzende US-Bundesstaaten fast 200 Milliarden Dollar an Strafzahlungen sowie eine grundlegende Überarbeitung der beiden Apps fordern.
Die Kläger wollen drei Vorwürfe belegen: Der Konzern von CEO Mark Zuckerberg habe die Öffentlichkeit über die Risiken seiner Plattformen für Jugendliche getäuscht, bestimmte Funktionen gezielt auf möglichst lange Nutzung ausgelegt und Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern gesammelt. Übermäßige Zeit im Internet wird u. a. mit Depressionen und Ängsten in Zusammenhang gebracht.
Whistleblower sagt aus
Eine zentrale Frage des Prozesses dürfte sein, was Meta über mögliche Schäden für Jugendliche wusste und was der Konzern öffentlich darüber sagte. Laut dem Guardian wird erwartet, dass auch eine interne Studie von Meta aus dem Jahr 2019 zur Sprache kommt. Demnach sei Jugendlichen „sehr wohl bewusst, dass Instagram ihrer psychischen Gesundheit schaden kann, (sie) fühlen sich jedoch gezwungen, Zeit mit der App zu verbringen, aus Angst, kulturelle und soziale Trends zu verpassen“.
Die Kläger nehmen die Prozesse gegen die Tabak-Branche zum Vorbild. Auch damals war der Ansatz, den Firmen eine bewusste Schädigung ihrer Kunden nachzuweisen. „Wir haben es mit dem Tabakvergleich in den 1990er Jahren geschafft. (...) Wir werden es auch bei Meta wieder schaffen“, zitierte der Guardian den Generalstaatsanwalt von Kentucky, Russell Coleman. Mit Spannung erwartet wird die Aussage des ehemaligen Meta-Ingenieurs Arturo Bejar, der zum Whistleblower geworden ist.
Prozessflut gegen Social Media
Die Vorwürfe betreffen nicht allein die Meta-Produkte, sondern auch TikTok, Snapchat, YouTube und andere Anbieter. Schon seit Jahren laufen zahlreiche Prozesse wegen mutmaßlicher Jugend-Gefährdung, eingebracht von Familien, Schulbezirken und Staatsanwälten. Doch der Prozess, der am Dienstag in Kalifornien begonnen hat, übertrifft alle bisherigen Bemühungen, Tech-Konzerne zur Verantwortung zu ziehen.
Beteiligt sind die Generalstaatsanwälte von 29 der 50 US-Bundesstaaten. Sie streben einen Musterprozess an, der die gesamte Social-Media-Branche für immer verändert. Neben 200 Mrd. Dollar Strafe – was einem Jahresumsatz von Meta entspricht – fordern sie den Umbau von Facebook und Instagram. Vorgesehen sind u.a. strengere Vorgaben für Bildschirmzeit und Benachrichtigungen, Einschränkungen bei automatischem Scrollen und Empfehlungen sowie eine verlässlichere Altersprüfung.
Meta weist alle Vorwürfe zurück
Der Konzern weist alle Vorwürfe zurück. Er argumentiert u. a., dass es keine wissenschaftlich eindeutig definierte Sucht nach Sozialen Medien gebe, dass die psychische Gesundheit von Jugendlichen nicht einer einzelnen Anwendung zugerechnet werden könne und dass Unter-13-Jährige ohnehin nicht auf den Plattformen sein dürften. Entdeckte Konten würden sofort gelöscht. Die Bundesstaaten hätten keine Beweise für eine konkrete Schädigung ihrer Bürger, und die finanziellen Forderungen würden in keinem Verhältnis zum Sachverhalt stehen.
Der Prozess soll etwa sechs Wochen dauern. Am Ende entscheidet Richterin Yvonne Gonzalez Rogers allein über die Zukunft von Meta. Die vorige Woche ausgewählten Geschworenen haben lediglich eine beratende Funktion. (TT, APA, awp, sda, AFP)
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