Warum der Vermittler Oman plötzlich ins Fadenkreuz gerät
Jenes Land, das in den Gesprächen zwischen dem Iran und den USA die Fäden zog, sieht sich nun wilden Drohungen aus Washington ausgesetzt.
Während der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormuz wieder zu eskalieren droht, gerät jetzt auch zunehmend der Vermittler ins Visier. Das Sultanat Oman, das seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle als neutraler und diskreter Vermittler im Nahen Osten einnimmt und zuletzt die beiden Kriegsparteien Iran und USA an einen Tisch brachte, hat sich offenbar den Zorn von US-Präsident Donald Trump zugezogen.
„In Grund und Boden bombardieren“
„Wenn der Oman uns in die Quere kommt, werden wir sie in Grund und Boden bombardieren“, sagte Trump dem US-Sender Fox News. Das Sultanat verhandelt derzeit mit dem Iran über mögliche Schifffahrtsrouten durch die faktisch gesperrte Straße von Hormuz, eine Einigung wurde bisher nicht verkündet.
Das zwischen Teheran und Washington ausgehandelte Rahmenabkommen sah vor, dass der Oman und der Iran gemeinsam eine Lösung für die Schifffahrt finden – in Absprache mit den Anrainerstaaten und unter Berücksichtigung des internationalen Rechts.
Stichtag verstrichen
Am Montag wäre der Stichtag gewesen, bis zu dem der Iran und die USA gemäß einer im Juni unterzeichneten Absichtserklärung ein endgültiges Friedensabkommen hätten erzielen sollen. Davon ist weit und breit keine Spur. Ganz im Gegenteil: Die USA streben nach den Worten von Trump keine Verlängerung der Waffenruhe-Vereinbarung mit dem Iran an. Der US-Präsident legte dem Iran vielmehr nahe, angesichts des wachsenden Drucks die Weiße Fahne zu hissen. Doch dieser droht seinerseits mit einer neuen Eskalation in der Region.
Stiller Vermittler
Für Trump läuft es im Dauerkonflikt mit dem Iran zweieinhalb Monate vor den Kongresswahlen in den USA alles andere als rund. Und die Wut darüber bekommt offensichtlich der Oman zu spüren. Gerade jenes Sultanat im Südosten der Arabischen Halbinsel, das sich als verschwiegener Vermittler einen ausgezeichneten Ruf erworben hat. So wurde im Oman der Grundstein für den Atomdeal mit dem Iran von 2015 gelegt, und auch in der Folge gab es in den Residenzen des Sultans immer wieder Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Nur ganz wenig davon gelangte an die Öffentlichkeit, Verschwiegenheit gilt den Omanern als oberstes Prinzip.
Auch die Wiederannäherung zwischen den Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien begann im Oman. Das Land – nach dem Tod von Sultan Kabus als dem Gründervater des modernen Oman übernahm 2020 Sultan Haitham das Szepter – sucht inmitten zunehmend aggressiver werdender Nachbarn den Ausgleich, es übt sich im ständigen Balanceakt. Auch aus Eigeninteresse: Rund die Hälfte der Omaner gehören zur muslimischen Minderheit der Ibaditen, die als sehr tolerant gelten und sich nicht in den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten hineinziehen lassen wollen. Und: Der Oman verfügt über weit weniger Öl- und Gasvorkommen als seine Nachbarn.
Dass Trumps Wut nun ausgerechnet den Oman trifft, ist vor diesem Hintergrund erstaunlich und zeugt nicht gerade von politischem Fingerspitzengefühl in Washington.
Liebe zu Garmisch-Partenkirchen
Übrigens: Sultan Kabus verbrachte die Sommer regelmäßig im bayerischen Garmisch-Partenkirchen nahe der Grenze zu Tirol – in einem Luxusanwesen am Fuße der Zugspitze. Er reiste stets mit großem Gefolge nach Bayern und verlegte 2014 aufgrund eines längeren medizinischen Aufenthalts sogar die Regierungsgeschäfte nach Garmisch-Partenkirchen.
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