1939 – 2026

Eine Stimme der Wahrhaftigkeit: Star-Sopranistin Ileana Cotrubaș ist tot

Ileana Cotrubaș 1978 mit Placido Domingo.
© IMAGO/United Archives / kpa

Die rumänische Sängerin prägte über zwei Jahrzehnte das Ensemble der Wiener Staatsoper. Nun ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.

Manche Sängerinnen werden für ihre Stimme bewundert, andere für ihre Bühnenpräsenz. Ileana Cotrubaș gehörte zu den wenigen, bei denen beides untrennbar miteinander verbunden war. Die rumänische Sopranistin, die über Jahrzehnte zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der Wiener Staatsoper zählte, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Staatsoper würdigte ihr Ehrenmitglied als Künstlerin, die nicht nach „äußerer, glatter Perfektion“, sondern nach „künstlerischer Wahrheit in Gesang und Spiel“ strebte.

Wien, Mailand und New York

Geboren wurde Cotrubaș am 9. Juni 1939 im rumänischen Galați. Nach ihrer Ausbildung in Bukarest führten Wettbewerbserfolge in den Niederlanden und Deutschland die junge Sängerin zunächst nach Brüssel und Amsterdam, ehe sie ab 1967 ihre Studien in Wien fortsetzte. Von dort aus begann eine internationale Karriere, die sie an die bedeutendsten Opernhäuser Europas und Nordamerikas führte.

Einen Wendepunkt ihrer Laufbahn markierte das Jahr 1975: An der Mailänder Scala sprang sie kurzfristig für Mirella Freni als Mimì in Puccinis „La Bohème“ ein und feierte einen Triumph, der ihren Rang in der internationalen Opernwelt endgültig festigte.

1987 bei der Aufzeichnung der TV-Sendung „Ihr Musikwunsch“.
© United Archives/Impress

Die Stimme der Wiener Staatsoper

An der Wiener Staatsoper debütierte Cotrubaș 1969 als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“. Daraus entwickelte sich eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Verbindung mit dem Haus am Ring. Bis zu ihrem Abschied im Jahr 1990 prägte sie Generationen von Opernbesuchern mit Rollen wie Mimì in Puccinis „La Bohème“, Violetta in Verdis „La Traviata“, Tatjana in Tschaikowskis „Eugen Onegin“, Mélisande in Debussys „Pelléas et Mélisande“, Susanna in Mozarts „Le nozze di Figaro“ oder Zerlina in „Don Giovanni“. Gerade als Mimì und Violetta setzte sie Maßstäbe, an denen sich spätere Sängerinnengenerationen messen lassen mussten.

Dabei war es nie die makellose Oberfläche, die ihre Kunst auszeichnete. Cotrubaș suchte nach Wahrhaftigkeit. Ihre Figuren wirkten verletzlich, glaubwürdig und menschlich. Sie sang nicht bloß Rollen, sie lebte sie. Gerade deshalb galt sie vielen Opernfreunden als eine der berührendsten Interpretinnen ihrer Generation.

Zahlreiche Ehrungen

Österreich blieb ihre künstlerische Heimat. 1981 erhielt sie den Titel der Österreichischen Kammersängerin, 1991 wurde sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. 2023 wurde sie mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Nach ihrem Tod hat die Wiener Staatsoper die schwarze Flagge gehisst. (APA, TT)

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