Unwetter tobten über Norditalien

Rund 150 Menschen in den Dolomiten evakuiert, 6000 Haushalte in der Toskana ohne Strom

Noch am Donnerstag wurden mit den Aufräumarbeiten im Gadertal begonnen.
© Facebook.com/Landesfeuerwehrverband Südtirol

Heftige Unwetter haben in Norditalien am Donnerstag zahlreiche Einsätze ausgelöst. Besonders betroffen waren das Gadertal in Südtirol sowie Teile Liguriens und der Lombardei. Muren, Erdrutsche und Blitzschläge führten zu Straßensperren, Evakuierungen und Beeinträchtigungen im Bahn- und Flugverkehr.

Die Unwetter hielten am Donnerstag die Einsatzkräfte in Norditalien auf Trab. Besonders schwer betroffen war unter anderem das Gadertal in Südtirol. Große Mengen an Geröll, Schlamm und Felsblöcken verschütteten beziehungsweise beschädigten die Straße von St. Kassian zur „Capanna Alpina“ auf weiten Abschnitten. Die Verbindung ist derzeit nicht befahrbar. Das berichtet unter anderem das Nachrichtenportal stol.it.

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Rund 150 Wanderer und Bergsteiger, die sich zum Zeitpunkt des Ereignisses im Gebiet aufhielten, mussten von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden. Weitere sechs Personen wurden vom Notarzthubschrauber aus höher gelegenen Bereichen ins Tal geflogen. Nach ersten Informationen wurde niemand verletzt.

Die Aufräumarbeiten liefen auf Hochtouren. Laut den Einsatzkräften dürfte die Straße frühestens am Freitag wieder passierbar sein. Etwa 50 Fahrzeuge befanden sich am Donnerstagabend noch auf dem Parkplatz bei der „Capanna Alpina“.

6000 Haushalte in der Toskana ohne Strom

Die heftigen Gewitter haben in der Toskana in der Nacht auf Freitag zahlreiche Schäden angerichtet und rund 6000 Stromanschlüsse lahmgelegt. Mehr als ein Drittel davon entfiel auf die Provinz Pistoia. Betroffen waren zudem die Provinzen Massa-Carrara, Prato, Florenz, Lucca, Livorno und Siena.

Die ganze Nacht über waren Einsatzkräfte unterwegs, um umgestürzte Bäume und Äste zu beseitigen und die Stromversorgung wiederherzustellen. In Pisa rückte die Feuerwehr wegen loser Fassadenteile und Dachziegel aus. In der toskanischen Badeortschaft Viareggio fiel ein Baum auf geparkte Autos, verletzt wurde niemand. Insgesamt registrierte der Zivilschutz bisher rund 18.000 Blitze in der Region.

Windböen von mehr als 110 Stundenkilometern

Erwartet wurden am Freitag weitere Gewitter, kräftige Regenschauer und Windböen von mehr als 110 Stundenkilometern. Anschließend sollte sich die Gewitterfront weiter ins Landesinnere verlagern. Flüsse traten bisher keine über die Ufer.

Auch in anderen Teilen Norditaliens richteten die heftigen Regenfälle Schäden an.

In der Provinz Alessandria im Piemont gingen rund 30 Meldungen wegen umgestürzter Bäume, gefährdeter Masten und beschädigter Dächer ein. In Chivasso bei Turin wurden Dächer beschädigt und Bäume umgerissen. Auf mehrere geparkte Autos stürzte ein Mauerteil. Nach bisherigen Angaben gab es keine Verletzten.

Besonders betroffen sind die Lombardei und Ligurien. In der Valcamonica nahe Brescia sorgten Erdrutsche für erhebliche Verkehrsprobleme.

Sechs Gemeinden in Bergamo abgeschnitten

In der Provinz Bergamo sind nach schweren Unwettern sechs Gemeinden von der Außenwelt abgeschnitten. Rund 150 Menschen mussten nach Angaben der Feuerwehr evakuiert werden. Die Einsatzkräfte waren vor allem wegen Erdrutschen, Überschwemmungen und umgestürzter Bäume im Einsatz. In Isola di Fondra wurde ein Campingplatz mit rund 155 Gästen wegen eines anschwellenden Flusses und eines Erdrutsches geräumt. In Valleve mussten drei Menschen, darunter zwei Kinder, nach einem Erdrutsch aus einem Wohnhaus in Sicherheit gebracht werden.

Schwere Gewitter und Hagel haben in der Nacht auch in Friaul-Julisch Venetien zahlreiche Schäden verursacht. In den Bergregionen, etwa am Zoncolan, wurden Windböen von bis zu 128 km/h gemessen. Einige Gemeindestraßen waren vorsorglich gesperrt worden.

Erdrutsch in bekanntem Badeort

Auch in der ligurischen Badeortschaft Portofino ging ein Erdrutsch auf die Zufahrtsstraße ab. Die Fahrbahn wurde geräumt, war zunächst aber nur für Zweiräder im Wechselverkehr passierbar. Für eine vollständige Öffnung musste zunächst der betroffene Hang gesichert werden. In Ligurien wurde die Unwetterwarnung von Gelb auf Orange angehoben.

Für die kommenden 24 Stunden wurden weitere heftige Niederschläge, Gewitter, starker Wind und eine schwere Sturmflut erwartet. Zudem besteht die Gefahr sogenannter Downbursts. Nach Behördenangaben gingen allein am Donnerstag rund 40.000 Blitze über Ligurien nieder.

Parks in Mailand geschlossen

In Mailand bleiben wegen der Unwettergefahr auch am Freitag Parks, Bibliotheken, öffentliche Schwimmbäder sowie Bildungseinrichtungen und das Planetarium in den betroffenen Anlagen geschlossen. Die Stadtverwaltung warnt davor, sich während der Unwetter in Grünanlagen oder unter Bäumen aufzuhalten.

Auch der Bahnverkehr wurde durch das Unwetter erheblich beeinträchtigt. In Ventimiglia setzte ein Blitz die Steuerungs- und Sicherheitssysteme des Bahnhofs außer Betrieb. Der Zugverkehr wurde daraufhin vorübergehend vollständig unterbrochen. Techniker arbeiten an der Wiederherstellung der Systeme.

Auf der Strecke zwischen Genua und Ventimiglia kam es ebenfalls zu Unterbrechungen und Verspätungen. Ein Zug von Genua nach Rom blieb in Riva Trigoso wegen eines Blitzschadens stehen. Die Passagiere wurden auf einen anderen Zug umverteilt. Intercity- und Regionalzüge mussten mit erheblichen Verspätungen von bis zu 80 Minuten rechnen. Auch am Flughafen Genua führte das Unwetter zu Behinderungen: Ein Flug aus Bukarest wurde nach Pisa umgeleitet.

Seit Donnerstag toben schwere Unwetter in Norditalien. Die Schlechtwetter-Front zieht allmählich in Richtung Süden und beendet somit eine Hitzewelle, die seit mehreren Tagen andauerte. (APA, TT)

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