Würdevolle Bestattung für Sternenkinder soll in Fügen möglich werden
Am Fügener Friedhof ist nicht nur eine Gedenkstätte für Sternenkinder geplant, sondern auch eine Beisetzungs-Möglichkeit. Für das rund 100.000 Euro teure Projekt sammelt das „Hoffnungswerk – Zillertaler Pfarren helfen“ Spenden.
Fügen – Bunt bemalte Steine und ein gerahmtes Bild, das ein Baby zeigt, zieren das Grab am Fügener Friedhof. Das kleine Mädchen, das hier beerdigt ist, wurde aufgrund eines seltenen Gendefekts nur zwei Jahre alt. Die kleine Zillertalerin wird künftig „Wächterin“ eines Sternenkinder-Friedhofs sein, denn neben ihrem Grab ist der Eingang zu dieser bisher einmaligen Ruhestätte im Tal geplant. Als Sternenkinder bezeichnet man Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben.
„Es gibt Gedenkstätten für Sternenkinder. Aber wir wollen hier auch die Möglichkeit einer würdigen Bestattung schaffen“, erklärt Pfarrer Tobias Höck. Die Nachfrage danach sei groß, weiß Josef Eller vom Verein „Hoffnungswerk – Zillertaler Pfarren helfen“. Wenn über das Projekt gesprochen werde, öffnen sich viele Betroffene, die bisher schwiegen. Bei diesem sensiblen Herzensanliegen gehe es auch um Aufklärung und Enttabuisierung.
100.000 Euro Kosten
Die Gemeinde Fügen stellt für das Projekt einen Grünstreifen im Randbereich des Friedhofs zur Verfügung. Die Gestaltung soll nach dem Plan einer Landschaftsarchitektin durch Gartenbau Kerschdorfer erfolgen. Kosten: rund 100.000 Euro. „Die Firma versucht derzeit, bei ihren Lieferanten bessere Konditionen für dieses besondere Projekt herauszuhandeln, aber wir sind dennoch auf Spendengelder angewiesen“, informiert Pfarrer Höck.
Der Platz soll auch zum Verweilen einladen. In der Mitte ist eine Skulptur in Form einer Hand geplant, aus der Wasser rinnt. „Sie symbolisiert, dass das Leben wieder zurück in die Hand Gottes fließt“, erläutert der Seelsorger. Auch eine Urnenwand und eine Ablagemöglichkeiten für Erinnerungsstücke sind vorgesehen.
Spendenkonto
Je schneller das Geld zusammenkommt, desto schneller geht es an die Umsetzung. Pfarrer Tobias und das Hoffnungswerk wollen auch die Krankenhäuser über die Bestattungsmöglichkeit von Sternenkindern im Zillertal informieren. Das Spendenkonto bei der Raiffeisen Regionalbank lautet „Hoffnungswerk – Sternenkinderfriedhof“, IBAN AT61 3622 9001 0003 7705.
Sternenkinder im gesellschaftlichen Wandel
Ab 500 Gramm gelten Föten als lebensfähig. Dieses Gewicht erreichen sie in der 22. bis 23. Schwangerschaftswoche, also im sechsten Monat. Wiegt ein Kind weniger als 500 Gramm und zeigt kein Lebenszeichen, spricht man von einer Fehlgeburt. Ist die Schwangerschaft bereits weiter fortgeschritten und das Gewicht liegt darüber, gilt es als tot geboren. Kurz nach der Geburt verstorbene Babys gehen dagegen als lebend geboren in die Statistik ein, vorausgesetzt es waren Atemzüge, ein Herzschlag oder Bewegungen wahrzunehmen.
Tote Föten unter 500 Gramm verblieben im 20. Jahrhundert nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch im Krankenhaus. Sie wurden standardmäßig über die hauseigenen pathologischen Institute entsorgt, wobei eine feingewebliche Untersuchung (Histologie) zur Klärung der Todesursache stattfand und der Rest anschließend beseitigt wurde.
Es bestand keine amtliche Meldepflicht und kein Recht auf eine individuelle Geburts- oder Sterbeurkunde. Das Thema wurde tabuisiert. Den Eltern wurde der Fötus selten gezeigt, und es gab weder Raum noch Verständnis für eine öffentliche oder private Trauer.
Erst ab den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts – und verstärkt durch den gesellschaftlichen Wandel im 21. Jahrhundert – begann ein Umdenken. Mittlerweile ist das Bewusstsein für sogenannte „Sternenkinder“ gewachsen.
Seit 2017 ist es in Österreich rückwirkend möglich, auch Fehlgeburten unter 500 Gramm freiwillig am Standesamt eintragen zu lassen, und viele Krankenhäuser und Bundesländer bieten geregelte Wege für anonyme oder gemeinschaftliche Bestattungen an.
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