Ötztaler und Karwendelmarsch

500 Euro fürs Finisher-Trikot und ein Sieger, der am Ende doch nicht gewann

Am Timmelsjoch trennt sich die Spreu vom Weizen, Sieger sind am Ende alle Finisher.
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Am Samstag findet der 39. Karwendelmarsch statt, am Sonntag der 45. Ötztaler Radmarathon: Die Events genießen Kultstatus, selbst turbulente Zeiten und eine Schaffenspause überlebten die Tiroler Klassiker. Zwei Gründerväter erinnern sich und präsentieren kuriose Details.

Die Legende lebt! Das gilt nicht nur für den FC Wacker und den Titel seiner Vereinshymne. Auch der Karwendelmarsch (Start in Scharnitz) und der Ötztaler Radmarathon (Start in Sölden) mit der 39. bzw. 45. Auflage am Samstag und Sonntag dürfen das für sich verbuchen. Vor allem der Radklassiker sprengt mit 25.000 Voranmeldungen und letztlich 4000 Startern einige Rekorde – ein Finish beim „Ötzi“ wird in der Hobbyrad-Szene als Ritterschlag gewertet. Weitere Details gefällig?

154 statt 4000 Starter: Es begann mit dem Ötztaler Radmarathon im Jahr 1982 – damals noch vor der Wiltener Basilika und nicht wie in der Gegenwart in Sölden: 154 Starter aus fünf Nationen, nicht 4000 (aus 40) wie jetzt, machten sich auf den Weg über Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch. Das Motto damals: „Rennsau Heil!“ Heute heißt es: „Ich habe einen Traum!“

Kein Preisgeld, aber ein Auto: 110 Schilling, umgerechnet knapp acht Euro, betrug einst das Startgeld, heute sind es 199 Euro. Preisgeld gab es damals wie heute keines, nur Sachpreise. Was Gründervater Helmut Maier gerne erzählt? Dass er früher stets einen Fiat unter jenen verloste, die kein persönliches Begleitauto hatten: „Es sollte ein Anreiz sein.“

Der Imster Daniel Federspiel - Sieger im Vorjahr.
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Eine Leutascher Pionierin: Seit Heidi Neuner im Jahr 1983 als erste Frau am „Ötzi“ teilnahm, hielt sich der Frauenanteil in Grenzen. Mittlerweile sind zehn Prozent der Starter weiblich, die Schnellste hieß zuletzt Janine Meyer: Die 39-jährige Deutsche hält seit dem Vorjahr mit 7:26:26 Stunden den Streckenrekord, bei den Männern wäre sie beachtliche 40. geworden.

Der Italiener-Boom: Ein Marketing-Gag sorgte im Jahr 2000 für einen Boom italienischer Starter, der bis heute anhält (knapp 20 Prozent der Teilnehmer): Wer das Rennen mit mehr Körpergewicht beendet, als er beim Start hat, sollte die Strecke noch einmal in Angriff nehmen. Nicht ganz ernst gemeint, aber für Italiens radsportbegeisterte Medien ein gefundenes Fressen.

Der Doch-nicht-Sieger: Was hatte sich der Salzburger Ex-Radprofi Gerrit Glomser nur dabei gedacht? Der zweifache Sieger der Österreich-Rundfahrt und dreifache Teilnehmer bei der Tour de France nahm bei der vermeintlichen Zieldurchfahrt das Tempo raus – dabei handelte es sich allerdings nur um die Startlinie. Der Italiener Emanuele Negrini nutzte das Missgeschick.

Ein Rennen für Promis: Nicht nur Ex-Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, auch der ehemalige Slalom-Weltmeister Frank Wörndle oder der frühere Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle nahmen die legendäre Schleife über die vier Alpenübergänge in Angriff. Auch die Nordischen Johannes Lamparter (Kombination), Andreas Goldberger (Skispringen) oder die Alpinen Manfred Mölgg und Werner Heel traten bereits in die Pedale.

Neun Tiroler Siege: Vier Tiroler sorgten bislang bei den Herren für sieben Siege (Franz Wegscheider, Manfred Engen­steiner, Stefan Kirchmair/je 2, Daniel Federspiel), bei den Frauen waren es zwei (Susi Lentner, Alexandra Schuler). Die Rekordgewinner des Rennens: Laila Orenos (SUI/5) bzw. Ekkehard Dörschlag (AUT/4).

Video | Veithi goes Ötzi

Schneller geht’s nicht: Der Vorarlberger Mathias Nothegger war 2019 mit 6:47:02 Stunden der Schnellste (Damen: Janine Meyer/GER, 7:26:26 Std.). Kurios: Die Durchschnittsgeschwindigkeit aller Starter lag stets um elf Stunden. Und durch den Rennrad-Boom gibt es kaum noch Teilnehmer, die mit dem Zeitlimit kämpfen.

Der Besenwagen droht: Wer nicht mehr will oder kann, darf mit dem Besenwagen ins Ziel fahren. 450 Teilnehmer greifen im Schnitt auf diesen Service zurück, nur im Jahr 2003 waren es überdurchschnittlich mehr: Inmitten eines heißen Sommers regnete es am Renntag in Strömen, schon am Kühtaisattel gaben 600 Sportler auf und mussten zurückgebracht werden.

500 Euro für ein Trikot: Nur wer es tatsächlich ins Ziel schafft, bekommt eines der begehrten Finisher-Trikots. Das gelingt nicht jedem – weshalb manche auf dem Umweg dazu kommen wollen: Im Internet werden die „Ötzi“-Shirts für Summen bis 500 Euro angeboten – und gekauft.