Sandra Wollners „Everytime“ geht für Deutschland ins Oscar-Rennen
Nach den Erfolgen bei den Filmfestspielen von Cannes und in Sarajevo nimmt das vielfach ausgezeichnete Drama Kurs auf Hollywood. Die gebürtige Innsbruckerin Julia Libiseller war für das Szenenbild des Film verantwortlich.
Berlin, Los Angeles – Die österreichische Filmemacherin Sandra Wollner darf auf eine Oscar-Nominierung hoffen: Deutschland schickt das Drama „Everytime“ der Regisseurin als offiziellen Kandidaten für den Oscar in der Kategorie „Bester internationaler Film“ ins Rennen. Das gab die Auslandsvertretung des deutschen Films, German Films, am Dienstag bekannt.
Erfolg in Cannes und Sarajevo
Der deutsch-österreichische Film zählt zu den großen Festivalerfolgen des Jahres. Erst vor wenigen Tagen gewann „Everytime“ beim Filmfestival von Sarajevo den Hauptpreis, das „Herz von Sarajevo“ für den besten Spielfilm. Bereits im Mai war das Werk bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Hauptpreis der renommierten Reihe „Un Certain Regard“ ausgezeichnet worden.
Mit Tiroler Szenenbild
Österreichischer Triumph in Sarajevo: Ein Herz für „Everytime“
Schwergewicht mit Feigenblatt
Schlägt beim Filmfestival von Cannes die große Stunde des österreichischen Kinos?
Für die 1983 in Leoben geborene Wollner ist „Everytime“ der dritte Spielfilm nach „Das unmögliche Bild“ und „The Trouble with Being Born“. Mit den jüngsten Erfolgen in Cannes und Sarajevo zählt sie derzeit zu den international sichtbarsten österreichischen Filmschaffenden.
Bereits mit ihrem Debüt „Das unmögliche Bild“ gewann sie 2017 den Preis für den besten Spielfilm bei den Bozner Filmtagen.
Szenenbildnerin aus Tirol
Auch Tirol ist am Erfolg von „Everytime“ beteiligt. Für das Szenenbild zeichnet die gebürtige Innsbruckerin Julia Libiseller verantwortlich. Die Ausstatterin und Produktionsdesignerin arbeitete in den vergangenen Jahren unter anderem an Filmen wie „Corsage“, „Sonne“, „Joy“ und „Macondo“ und gehört zu den profiliertesten Vertreterinnen ihres Fachs in Österreich.
„Everytime“ erzählt von Ella und ihrer jüngeren Tochter Melli, die ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der älteren Tochter Jessie versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. Die Trauer zeigt sich in kleinen Gesten, alten Nachrichten und Videoaufnahmen. Eine Reise nach Teneriffa mit Jessies Freund Lux bringt verdrängte Erinnerungen und Gefühle wieder an die Oberfläche. Die Hauptrollen spielen Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann und Tristán López.
Regeländerung bei den Academy Awards
Durch eine Regeländerung der Academy könnten heuer sogar mehrere deutsche Produktionen Chancen auf eine Oscar-Nominierung haben. Filme, die bei bestimmten internationalen Festivals Hauptpreise gewinnen, sind nun automatisch für eine Einreichung qualifiziert.
Dazu zählen heuer auch „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären der Berlinale, sowie „Von Scham und Geld“ von Visar Morina, das beim Sundance Festival den World Cinema Grand Jury Prize gewann. Die Produktionsfirmen der beiden Filme müssen ihre Werke allerdings noch offiziell einreichen.
Die Shortlist mit 15 Filmen wird am 15. Dezember veröffentlicht, die Nominierungen folgen am 21. Jänner 2027. Die Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 in Los Angeles statt. (TT)
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