Wo Kinder selbst anpacken und fürs Handwerk begeistert werden
In der vergangenen Woche wurde in Kirchberg gehämmert, gesägt, geschraubt und gebaut, was das Zeug hält: Dort hat das „Netzwerk Handwerk“ Station gemacht und mit 20 Kindern äußerst kreativ gearbeitet.
Kirchberg – „Wer will fleißige Handwerker sehen, der muss zu uns Kindern gehen …“ Man kommt schwer umhin, nicht diese Textzeilen im Ohr zu haben, während man sich dem Ort des Geschehens nähert. Konkret dem Anwesen von Restaurator Johannes Schroll in Kirchberg, wo das Netzwerk Handwerk kürzlich einen einwöchigen Workshop für Kinder veranstaltet hat.
Schon von weitem sind die Kinder bei der Arbeit zu hören und zu sehen, sie hämmern, sägen, bauen, schleifen. Natürlich nicht alleine, sondern in Begleitung von echten Profis: Von ArchitektInnen über InnenausstatterInnen und VergolderInnen bis hin zu InstallateurInnen sind die unterschiedlichsten Berufsgruppen aus dem Bereich „Handwerk“ dabei.
„Unser Ansatz ist, Handwerk und Kinder direkt zusammenzubringen und so Interesse und Begeisterung dafür zu wecken“, erklärt Andrea Achrainer vom Verein Netzwerk Handwerk. Dass dieser praktische Zugang funktioniert, zeigen die werkenden Kinder eindrücklich: Voller Stolz erzählen sie, was sie gerade bauen, dass sie davor schon selbst ein Modell für das große Projekt gebastelt haben und wo als Nächstes was entstehen soll. „Das wird ein Steg, da drüben bauen wir noch eine Chill-Zone“, erklären die jungen HandwerkerInnen.
Was braucht’s zum Wohnen?
„Wir haben sie am Anfang der Woche gefragt, was es zum Wohnen braucht. Neben dem Üblichen nannten sie zum Beispiel auch ein Musikzimmer. Oder auch einen Pool“, erzählt Achrainer. Und so entstand ein Lebensraum, ganz nach den Vorstellungen der Kinder.
Die jungen Teilnehmer sind zwischen acht und 13 Jahren alt und damit genau im richtigen Alter, um mit unterschiedlichen Handwerken in Berührung zu kommen. „Das ist ein sehr gutes Alter, um unterschiedliche Berufe und Materialien kennenzulernen“, sagt Andrea Achrainer. Die Kinder wären einerseits noch sehr begeisterungsfähig, andererseits entscheidet sich bei vielen Kindern bzw. Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren, welchen beruflichen Weg sie einschlagen werden. „Viele der Lehrberufe, mit denen sie bei uns in Berührung kommen, kannten die Kinder vorher gar nicht.“
Beide Seiten profitieren
So werden ihnen einerseits neue Möglichkeiten aufgezeigt, andererseits wäre es aber auch für die teilnehmende HandwerkerInnen eine schöne Möglichkeit, um mit der jungen Generation und potenziellen NachfolgerInnen in Kontakt zu kommen. „Wir geben den Kindern hier einfach Raum zum Experimentieren. In einer Woche findet eigentlich jede und jeder etwas, das ihnen Spaß macht.“ Das Interesse an den Workshops ist groß, „wir könnten das ganzjährig anbieten“, sagt Achrainer. Das Netzwerk Handwerk ist ein Leader-Projekt und somit von der EU gefördert, den Rest stemmt der Verein selbst.
Dabei wird bei den Workshops – einer hat in Söll stattgefunden, danach wurde in Kirchberg gearbeitet und in dieser Woche steht noch Radfeld am Programm – mit regionalen HandwerkerInnen aber auch mit regionalen Materialien gearbeitet. Auch das trägt zum Auftrag bei: Der Schwerpunkt von Netzwerk Handwerk, das 2016 gegründet wurde, liegt seit einiger Zeit auf der Wissensvermittlung an Kinder und Jugendliche. „Heuer stehen unsere Workshops unter dem Motto ‘Kreislauf Könner’, wo wir ihnen zeigen wollen, wie kreislauffähiges Werken funktioniert.“
Demokratische Prozesse erlernen
Aber auch Kreativität und die Freude darüber, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, werden den Kindern vor Ort vermittelt. „Diese Workshops sensibilisieren die Kinder für Gestaltung, fürs Handwerk und dafür, eine Idee mit den eigenen Händen ins Leben zu bringen“, sagt Monika Abendstein von der Kunst- und Architekturschule bilding in Innsbruck. Sie ist schon länger bei den Workshops dabei und schätzt die Arbeit mit den Kleinen in vielfältiger Hinsicht: „Es geht auch um Zusammenarbeit, in dem man eine Idee gemeinsam realisiert – das sind wichtige, demokratische Prozesse, die hier gelernt werden.“
Auch die anderen BetreuerInnen kommen alle vom Fach, also aus einem handwerklichen oder kreativen Umfeld und nehmen sich sogar Urlaub, um in ihrer Freizeit mit den Kindern zu arbeiten. „Es macht einfach jedes Jahr extrem viel Spaß, dabei zu sein, man nimmt sehr viel davon mit“, sagt etwa Architekt Alex.
Mitgenommen haben auch die Kinder sehr viel, vielleicht sogar eine Idee, was sie künftig beruflich machen könnten. Ob sie vielleicht auch später einmal ein Haus nach ihren Vorstellungen bauen wollen? Oder einen der Berufe ergreifen, die sie hier kennengelernt haben? „Ja!“, rufen mehrere Kinder, bevor sie wieder weiter arbeiten.
Zu wenige Mitarbeiter
Fachkräftemangel: Wie viele Firmen betroffen sind und in welchen Jobs Personalnot herrscht
Gastkommentar
Handwerk schlägt Algorithmus
Junge Handwerker
Kommentare