1008 Gipfelsiege, fünf Tote

Nach hitzigen Debatten: Konflikt um Zahl der Toten am Everest beigelegt

Die Riesen des Himalaya ziehen jährlich tausende Bergsteiger in ihren Bann.
© Imago/Tolga Sezgin

Everest-Bezwinger Markus Wolf und Expeditionsveranstalter Lukas Furtenbach lieferten sich in den vergangenen Wochen eine intensive Diskussion über Todesfälle am Mount Everest. Der Streit über Wahrnehmung und Fakten wurde jetzt beendet.

Berwang, Rum – Nach seiner erfolgreichen Besteigung des Mount Everest sorgte der Außerferner Markus Wolf mit einer Aussage über seinen Aufenthalt im Basislager und „elf Todesfällen innerhalb von zwölf Tagen“ für hitzige Diskussionen mit Lukas Furtenbach. Der Expeditionsveranstalter widersprach und verwies auf die Himalaya-Database – eine Sammlung von Daten und Statistiken zu Expeditionen im Himalaya, an der er selbst mitarbeitet.

Furtenbach stellte klar, dass die Todesfälle dort lückenlos dokumentiert werden. „Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass auch nur ein einziger Todesfall am Berg oder im Basecamp unbemerkt bleibt oder nicht erfasst wird“, so Furtenbach.

Die offizielle Statistik weist für die gesamte Frühjahrssaison 2026 am Mount Everest fünf Todesfälle und 1008 Gipfelsiege – davon 274 an einem einzigen Tag – aus.

Schlagabtausch per E-Mail

Wolf betont, dass er im Interview ausschließlich persönliche Eindrücke geschildert habe. Er wolle weder offizielle Statistiken infrage stellen noch geheime Informationen für sich beanspruchen. Vielmehr habe er seine Wahrnehmungen geschildert, die sich aus Gesprächen mit anderen Personen im Basislager ergeben hätten.

Der Diskurs gipfelte in einem intensiven E-Mail-Verkehr, in dem Furtenbach Wolf unter anderem wissen ließ: „Dass du aufgrund von Gesprächen im Basecamp den Eindruck bzw. die Wahrnehmung hattest, es seien elf Tote in zwölf Tagen gewesen, sei dir unbenommen. Es entspricht aber schlichtweg nicht den Tatsachen. Eindrücke, basierend auf Gerüchten, bilden eben nicht immer die Realität ab.“

Missverständnisse ausräumen

Wolf akzeptiert die offiziellen Zahlen. „Ich halte es jedoch für problematisch, wenn persönliche Eindrücke rückwirkend ausschließlich anhand später dokumentierter Fakten bewertet werden. Unterschiedliche Wahrnehmungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Person bewusst falsche Behauptungen aufstellt. Aber wenn eine Klarstellung zur veröffentlichten Zahl der Todesfälle dazu beiträgt, Missverständnisse auszuräumen und die Angelegenheit abzuschließen, habe ich dagegen keinerlei Einwand“, so der Außerferner.

Abschließend sind sich beide einig: „Jeder Tote am Everest ist einer zu viel.“