Norwegen trauert: König Harald V. ist im Alter von 89 Jahren verstorben
Mehr als 35 Jahre stand Harald V. an der Spitze Norwegens. Nun ist der Monarch im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihm verliert das Land einen König, der Tradition verkörperte – und zugleich immer wieder zeigte, wie menschlich eine Monarchie sein kann.
Er war der älteste regierende Monarch Europas – und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen. Jetzt ist der norwegische König Harald V. im Alter von 89 Jahren im Reichskrankenhaus von Oslo gestorben. Er sei am Freitag um 6.35 Uhr friedlich eingeschlafen, teilte das norwegische Königshaus mit. Nach seinem Tod erbt sein Sohn Haakon den Thron.
In den vergangenen Tagen hatte sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert. König Harald war seit dem 17. August im Rikshospitalet in Oslo behandelt worden. Zunächst wegen einer hämolytischen Anämie, später kam eine bakterielle Infektion des Blutes hinzu. Noch zu Wochenbeginn wurde sein Zustand als stabil bezeichnet. Am Donnerstag teilte das Königshaus schließlich mit, der Zustand des 89-Jährigen sei „sehr ernst“. Königin Sonja, Kronprinz Haakon und weitere Mitglieder der Familie kamen für einige Stunden ins Krankenhaus.
Prinzessin Märtha Louise und ihre Tochter Leah trafen am Nachmittag ein. Die Schwester des Königs, Prinzessin Astrid, besuchte Harald von Norwegen ebenfalls. Gegen 14.30 Uhr verließ die 94-Jährige die Klinik wieder. Eineinhalb Stunden später wurden auch Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit beim Verlassen des Klinikgeländes gesichtet. Zur selben Zeit sollen auch ihre Kinder die Klinik verlassen haben, wie die norwegische Tageszeitung VG berichtet.
Auch Marius Borg Høiby traf am Donnerstagvormittag im Osloer Rikshospitalet ein. Der 29-jährige Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit befindet sich derzeit in Untersuchungshaft mit elektronischer Fußfessel und darf Gut Skaugum grundsätzlich nicht verlassen. Aufnahmen der norwegischen Zeitung VG zeigen ihn gegen 10.40 Uhr beim Krankenhaus, offenbar unmittelbar hinter Haralds Leibarzt Bjørn Bendz.
Ob Høiby für den Besuch seines schwer erkrankten Großvaters eine Sondergenehmigung erhielt, blieb zunächst offen. Sein Anwalt Peter Sekulic bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur NTB lediglich, dass Høiby weiterhin unter elektronischer Überwachung in Untersuchungshaft stehe.
Haralds letzter Wille
Mit seinem eigenen Tod hatte sich Harald zu Lebzeiten ganz bewusst auseinandergesetzt. Gemeinsam mit Königin Sonja hatte er frühzeitig über seine letzte Ruhestätte entschieden und die Anfertigung der Särge in Auftrag gegeben. Mit der Gestaltung war das renommierte norwegische Architekturbüro Snøhetta betraut worden.
Selbst diesem ernsten Thema begegnete Harald mit seinem typischen trockenen Humor: 2024 scherzte er, er hoffe, die Särge würden gut gepolstert – „schließlich werden wir dort eine Weile bleiben“. Wie norwegische Medien berichten, standen dafür 20 Millionen norwegische Kronen bereit – umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro. Pro Sarg macht das etwa 850.000 Euro.
Ein Königskind auf der Flucht
Harald war der aktuell älteste regierende Monarch Europas. Sein Leben begann in einer Zeit, in der Europas Königshäuser noch eine ganz andere Welt verkörperten. Geboren wurde er am 21. Februar 1937 auf dem Gut Skaugum bei Oslo. Er war der erste norwegische Prinz seit 567 Jahren, der im eigenen Land zur Welt kam. Damals konnten nur Männer den Thron erben – mit seiner Geburt war die Thronfolge gesichert.
Seine Kindheit wurde bald vom Krieg überschattet. Als deutsche Truppen 1940 Norwegen besetzten, floh der dreijährige Harald mit seiner Mutter Kronprinzessin Märtha und seinen Schwestern zunächst aus dem Land und verbrachte einen großen Teil des Zweiten Weltkriegs in den USA. Erst 1945 kehrte die Familie nach Norwegen zurück.
Später besuchte Harald eine gewöhnliche Schule in Oslo, absolvierte eine militärische Ausbildung und studierte Anfang der 1960er-Jahre Sozialwissenschaften, Geschichte und Wirtschaft in Oxford.
Neun Jahre warten auf Sonja
Auch privat schrieb Harald ein Stück norwegische Königshausgeschichte. 1959 lernte er die Bürgerliche Sonja Haraldsen kennen. Neun Jahre lang mussten die beiden warten, bis König Olav V. der Ehe schließlich zustimmte. Harald soll seinem Vater deutlich gemacht haben, dass er entweder Sonja heiraten oder unverheiratet bleiben werde – was die Zukunft der Dynastie durchaus kompliziert gemacht hätte.
1968 durften die beiden schließlich heiraten. Sonja wurde Kronprinzessin und später Königin. Aus der Ehe gingen Prinzessin Märtha Louise und Kronprinz Haakon hervor.
Der König mit dem Segelboot
Harald war aber nicht nur ein pflichtbewusster Thronfolger, sondern auch leidenschaftlicher Sportler. Besonders das Segeln hatte es ihm angetan. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio trug er die norwegische Flagge bei der Eröffnungsfeier. Später wurde er mit seiner Mannschaft sogar Welt- und Europameister. Erst 2022 verabschiedete er sich vom Regattasport.
Als sein Vater König Olav V. am 17. Januar 1991 starb, wurde Harald König von Norwegen. Sein Wahlspruch blieb derselbe wie jener seines Vaters und Großvaters: „Alt for Norge“ – alles für Norwegen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde Harald für viele Norweger weniger zur fernen Majestät als zu einer Art ruhigem Landesvater. Bei großen Feiern stand er auf dem Balkon des Schlosses, in Momenten nationaler Trauer suchte er die Nähe der Menschen. Nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011 gehörte er zu jenen, die der Trauer des Landes Worte gaben.
Auch im hohen Alter hielt Harald lange an seinen Aufgaben fest. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn in den vergangenen Jahren allerdings immer wieder zu Pausen, Kronprinz Haakon übernahm zunehmend als Regent. Nun endet eine Regentschaft, die mehr als drei Jahrzehnte norwegischer Geschichte begleitet hat.
Was passiert nun nach dem Tod?
Die Thronfolge ist klar geregelt: Kronprinz Haakon ist nun neuer König. „Kongen er død – leve Kongen“, heißt es in Norwegen: „Der König ist tot – es lebe der König.“ Haakon muss nun den Eid auf die Verfassung ablegen. Traditionell folgt darauf eine kirchliche Segnung des neuen Königspaares – und schließlich eine Reise durch das Land.
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