Spektakulärer Juwelendiebstahl in Wien: Collier aus Museum verschwunden
Zwei Juwelendiebe kamen am Donnerstag als Besucher in die Ausstellung „Glanzstücke“ des Museums für Angewandte Kunst (MAK). Es gelang ihnen, ein wertvolles Schmuckstück zu entwenden. Die Fahndung nach den Tätern läuft, einer von ihnen trägt wohl eine Waffe mit sich.
Wien – Zwei Kunstdiebe haben am Donnerstagnachmittag ein Ausstellungsstück aus dem Museum für angewandte Kunst (MAK) in der Wiener Innenstadt gestohlen. Es handelt sich um ein Collier, teilte die Polizei in der Nacht mit. Demnach sollen die beiden Männer als Besucher in das Museum gekommen sein, in dem gerade die Ausstellung „Glanzstücke“ teils mit Preziosen von Van Cleef & Arpels gezeigt wird.
„Sie schlugen dann eine Glasvitrine ein“, teilte Polizeisprecherin Anna Gutt der APA mit. Dazu führte einer der beiden Männer einen Hammer mit sich, der zweite Täter eine scharfe Waffe.
673 Diamanten und 200 Karat
Die Polizei veröffentlichte ein Foto des mit Diamanten besetzten Colliers. Bei der Beute handelt es sich um das weltberühmte, historische Diamantcollier der Königin Nazli von Ägypten, das 1939 vom Pariser Luxusjuwelier Van Cleef & Arpels im Art-déco-Stil gefertigt wurde, bestätigte die Polizei der APA.
Zum genauen Wert machte die Polizei bislang keine Angaben, das Schmuckstück erzielte bei einer Auktion in New York vor zehn Jahren jedoch einen Preis von rund 3,7 Millionen Euro.
Das Collier besteht aus Platin und ist mit 673 Diamanten versehen, mit einem Gesamtgewicht von 200 Karat. Getragen wurde es von der ägyptischen Königin Nazli 1939 bei der Hochzeit ihrer Tochter Fawzia mit dem iranischen Kronprinzen und späteren Schah Mohammad Reza Pahlavi.
Die Fahndung nach den flüchtigen Verdächtigen ist noch im Gang. Auch ein Personenspürhund wurde eingesetzt. Die beiden Männer dürften das Museum gegen 14 Uhr betreten haben. „Sie verhielten sich wie normale Besucher“, sagte Gutt. In der Folge kam es zu der Tat. Laut Gutt beobachteten auch Zeugen die Täter dabei. Mittlerweile konnten erste Zeugen befragt und Kameraaufnahmen aus der Umgebung ausgewertet werden.
Lichtbilder der Tatverdächtigen wurden gesichert. In der Nacht veröffentlichte die Polizei Beschreibungen der beiden Männer. Es handle sich um 170 bis 175 Zentimeter große Männer mit schlanker Statur, dunklen Haaren und dunklem Bart, schwarzer Oberbekleidung sowie dunklen Turnschuhen mit weißer Sohle.
MAK bleibt geöffnet, „Glanzstücke“ nicht
Die Ausstellung „Glanzstücke“ vereint „einzigartige, selten gezeigte Objekte aus der MAK Sammlung mit Juwelierskunst aus der 120-jährigen Geschichte des Traditionsunternehmens (Van Cleef & Arpels, Anm.) für Haute Joaillerie, das 1906 auf der Pariser Place Vendôme gegründet wurde“, heißt es auf der Homepage des Museums. Gezeigt werden demnach rund 500 Exponate, mehr als 300 von Van Cleef & Arpels und über 200 aus der Sammlung des MAK.
Das Museum bleibt mit Ausnahme der betroffenen Ausstellung geöffnet, teilte das MAK am Abend per Aussendung mit. Man gehe aber davon aus, dass auch diese in Kürze wieder für Besucherinnen und Besucher zugänglich sein wird. Dank der Sicherheitskräfte und der Polizei habe der Vorfall unter Kontrolle gebracht werden können, niemand sei zu Schaden gekommen.
In der gesamten Innenstadt waren bis in den späten Donnerstagabend hinein zahlreiche Einsatzkräfte aufgrund der Fahndung nach den Verdächtigen unterwegs. Auch die Kulturgutfahndung des Bundeskriminalamts wurde bereits eingeschaltet. (TT, APA)