Platz frei für den Herbstklassiker im Ofen
Riesenbeere statt Gemüse, giftig und gesund, bockig und geschmeidig – kaum eine Speise ist so vielseitig wie der Kürbis. Nicht zuletzt, weil er auch ein Zahlungsmittel war.
Natürlich kann man Kürbisse verspeisen. Wie konservativ. Lassen sich einige von ihnen, die auf deutschen Äckern zu orangen Kolossen heranwachsen, doch auch als Boot benutzen – etwa bei der Meisterschaft im Kürbispaddeln. Ein Trend zum Kürbis-Schifferl statt Stand-up-Paddling auf Tiroler Seen ist nicht zu erwarten. Zu sperrig sind diese einst aus Zentral- und Südamerika stammenden gesunden Giganten. Wog der schwerste je gezüchtete Kürbis doch stattliche 1200 Kilo. Seine kleinen Kollegen hingegen sind willkommene Herbstgenüsse in Tirols Küchen. Selbst die versierte Hobbyköchin Saskia van Deelen gesteht, dass sie Kürbisse lange unterschätzte: „Ich habe diesen Schätzen der Natur – die vom Spätsommer bis in den Winter und Frühling verfügbar sind – in meinen Kochbüchern nur Nebenrollen eingeräumt.“ Dieses Versäumnis macht sie nun im Buch „Kürbisliebe“ (Thorbecke Verlag) wett: „Besonders faszinierte mich, dass man Kürbis zu Süßem verarbeiten kann.“
Doch vor der Zubereitung steht der Einkauf: „Dafür gibt es zwei Faustregeln. Erst klopfen und schauen: Reife Kürbisse klingen leicht hohl und sollten eine harte, unversehrte Schale sowie einen verholzten Stil haben. Fehlt der, könnte das Fruchtfleisch trocken oder gar verdorben sein.“ Bei Schritt zwei, dem Wiegen, gilt zu bedenken, dass von einem 1,5-Kilo-Kürbis nur ein Kilo Kürbisfleisch übrig bleibt, was vielleicht nicht ausreicht, um ein Rezept umzusetzen. „Sollte man hingegen zu viel eingekauft haben, kann man Kürbis einmachen oder Kürbis-Chips herstellen“, ergänzt van Deelen, die auch Rezepte für ihren Foodblog entwickelt.
850 bekannte Kürbis-Sorten
Hat man sich aus den 850 bekannten Sorten für eine der 200 essbaren entschieden, muss der Kürbis von seiner bockigen Schale befreit werden. Damit dieser Schritt nicht zur Plagerei wird, rät van Deelen, ihn zu backen. 30 Minuten bei 150 Grad – schon lässt sich das Fruchtfleisch einfacher aus der Schale scheiden. Bei einigen Sorten, wie Hokkaido, ist die Schale praktischerweise sogar essbar. Zu den gängigen Sorten zählen zudem Muskat, Butternut und Patisson: „Auf Kürbishöfen ist die Auswahl mit Sweet Dumping, Sombra, Autumn Frost oder Turbankürbis noch größer.“
Beerenfrucht statt Gemüse
Deren Garzeit beträgt je nach Sorte zwischen 15 und 30 Minuten. Auch roh ist der Tausendsassa köstlich - etwa als Salat. Dafür wird Kürbis, der aus botanischer Sicht nicht zum Gemüse, sondern zu Beerenfrüchten zählt, meist geraspelt. Kürbis punktet neben seiner Vielseitigkeit auch mit dem Gesundheitsaspekt: Enthalten 100 Gramm Fruchtfleisch doch nur rund 25 Kalorien und strotzen an Vitaminen, Kalium, Kalzium und Zink. Die enthaltene Kieselsäure ist gut für Bindegewebe, Haut und Nägel. Da Kürbisse im Eigengeschmack zurückhaltend sind, kann, darf und soll man sie laut van Deelen würzen: etwa klassisch mit Knoblauch und Pfeffer, wodurch die leichte Kürbissüße eine pikante Note erhält. Ein Schuss Zitronensaft verleiht ihm Frische. Als belebende Aromalieferanten taugen Dill, Thymian oder Koriander, und Mutige können Honig, Zimt, Nelken oder Orangen sparsam dosieren.
Keine Zierkürbisse verkochen
Doch Vorsicht: Zierkürbisse eignen sich nur als Dekoration. Die enthaltenen Cucurbitacine sind nämlich giftig.
Rezept für Kürbis-Pasta
Im Buch „Kürbisliebe“ von Saskia van Deelen findet man neben Rezepten für Kürbispommes, Kürbis-Chilli-Chips und Kürbis-Punsch auch dieses herbstliche Spaghetti-Rezept mit getrockneten Tomaten, Feta und Haselnüssen.
Zutaten:
800 g Kürbis, z. B. Hokkaido, Patisson, Celebration oder Ambercup
1–2 Knoblauchzehen
2 Schalotten
4 EL Olivenöl
Salz
frisch gemahlener Pfeffer
100 g getrocknete Tomaten
2 EL Tomatenmark
½ TL Chiliflocken
1 Prise Zimt
400 g Spaghetti
150 g Feta
2 EL gehackte, geröstete Haselnüsse
2 EL gehackte Petersilie
Zubereitung:
Den Kürbis waschen, trocknen, die Enden abschneiden, vierteln, entkernen und in mundgerechte Würfel schneiden. Knoblauch und die Schalotten schälen und klein hacken. Olivenöl in eine tiefe Pfanne geben und den Knoblauch und die Schalotte kurz andünsten. Den Kürbis dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und ca. 15–20 Minuten braten, bis der Kürbis weich ist. Die getrockneten Tomaten fein hacken, mit dem Tomatenmark, den Chiliflocken und dem Zimt in die Pfanne geben und nochmals 5 Minuten dünsten.
Die Spaghetti in Salzwasser nach Packungsanleitung bissfest garen. Kurz vor Ende der Garzeit ca. 150–200 ml Nudelwasser abschöpfen und beiseitestellen. Die Spaghetti in die Pfanne zum Kürbis geben und alles gut vermischen. Dabei nach und nach das Nudelwasser zugießen. Den Feta zerbröseln und mit den Haselnüssen und der Petersilie über die fertige Kürbispasta streuen.