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Der Herbst schenkt nach

Buntes Herbst-Panorama in Klausen: Im Vordergrund St. Valentin – Villanders, im Hintergrund Kloster Säben.
© Thomas Roetting

Erst Farbe in die Weinberge. Dann neuen Wein ins Glas. Wenn die ersten Kastanien über dem Feuer braten, ist klar: Jetzt ist Herbst.

Und der hat in Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders eine ziemlich klare Handschrift – und erstaunlich oft ein Weinglas in der Hand.

Denn im Eisacktal spielt Wein nicht nur eine Nebenrolle. Hier gehört er zur Landschaft wie Trockenmauern, steile Hänge und alte Höfe. Vor allem die Weißweine fühlen sich hier ausgesprochen wohl. Sylvaner, Kerner, Müller-Thurgau oder Grüner Veltliner bringen ins Glas, was draußen gerade passiert: Frische, Klarheit und ordentlich Charakter. Während anderswo im Herbst langsam auf Rot umgestellt wird, bleiben wir ziemlich gerne weiß.

Harte Arbeit an steilen Hängen

Wer hier Wein macht, macht es sich ohnehin nicht unbedingt bequem. Viele Reben wachsen an steilen Hängen, vieles ist Handarbeit, und hinter jeder Flasche steckt ziemlich viel Zeit zwischen Rebstock und Keller. Vielleicht schmeckt man genau deshalb nicht nur die Traube, sondern auch ein Stück Landschaft mit.

© Wolfgang Gafriller

Bei der Weinernte wird gewimmt, getragen und gekeltert. Aus Trauben wird langsam ein neuer Jahrgang. Und draußen zeigt sich der Herbst von seiner großzügigsten Seite: Weinberge in Gold und Rot, klare Sicht bis zu den Dolomiten und Temperaturen, bei denen eine Wanderung nicht schon nach zehn Minuten nach Schatten verlangt.

Ein ziemlich guter Zeitpunkt also, um den Wein dort kennenzulernen, wo er wächst. Zu Fuß durch die Weinberge, entlang des Keschtnwegs oder hinauf auf die Almen, die vielerorts noch bis in den November geöffnet sind. Erst Höhenmeter, dann ein Glas. Wir finden: eine durchaus vernünftige Reihenfolge.

© KONI Studios

Und dann wäre da natürlich noch das Törggelen. Jene fünfte Jahreszeit, in der aus „nur kurz einkehren“ erstaunlich schnell ein ganzer Abend werden kann. In den Buschenschänken kommt auf den Tisch, was jetzt Saison hat und seit Generationen dazugehört: Gerstensuppe, Schlutzkrapfen, Knödel, Hauswürste, Sauerkraut, Krapfen und gebratene Kastanien. Dazu der junge Wein – früher der eigentliche Grund, warum man überhaupt zum Törggelen ging. Schließlich wollte der neue Jahrgang verkostet werden. Rein aus Pflichtgefühl, versteht sich.

© IDM Südtirol/Alex Filz

Heute braucht diese Tradition bei uns erstaunlich wenig Inszenierung. Weil der Wein vom Hof kommt, die Kastanien am Weg wachsen und die Gastgeber lieber einschenken als große Reden schwingen.

Klare Luft und volle Gläser

Vielleicht ist genau das unser Weinherbst: kein großes Tamtam, sondern ein gutes Glas zur richtigen Zeit. Draußen klare Luft, drinnen volle Gläser und dazwischen genügend Wege, um sich den nächsten Schluck zu verdienen. Mehr braucht ein guter Herbst eigentlich nicht – außer vielleicht ein bisschen Zeit da-für. Auf den Geschmack gekommen?

www.klausen.it

© Thomas Roetting