Sommergespräch

Tirols Bauern fordern Perspektive und faire Preise

© Tiroler Bauernbund

in Hart im Zillertal diskutierten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Bauernbundobmann Josef Geisler und LK-Präsident Josef Hechenberger mit rund 200 Bäuerinnen und Bauern. Sie sprachen über die Zukunft der Landwirtschaft. Kernpunkte waren die Wirtschaftlichkeit, die Agrarpolitik und die Folgen des Klimawandels.

Hart i. Z. - Die jährliche Sommergesprächs-Reihe des Tiroler Bauernbundes endete am Montagabend am Bichlhof der Familie Eberharter in Hart im Zillertal. Das teilt der Tiroler Bauernbund in einer Aussendung mit. Viele Interessierte besichtigten vorab den Bergbauernhof.

Die Familie Eberharter betreibt Milchvieh- und Rinderzucht im Nebenerwerb. Sie hält rund 30 Milchkühe und 40 Stück Jungvieh. Das Vieh verbringt den Sommer teilweise auf der Alpe. Zum Hof gehören 22 Hektar Grünland und fast drei Hektar Wald. Eine Besonderheit ist die Kombination aus Laufstall- und Kombihaltung. Zudem nutzen die Eberharters eine Heubelüftung mit Dachabsaugung.

Landwirtschaft braucht wirtschaftliche Absicherung

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig verwies auf zunehmend schwierige Rahmenbedingungen. Die Trockenheit dieses Jahres zeigte, wie Wetterextreme Betriebe unter Druck setzen können. Ein Dürrepaket des Bundes unterstützt betroffene Höfe rasch. „Wir lassen unsere Bäuerinnen und Bauern in dieser Situation nicht im Stich“, betonte Totschnig. Er forderte schnelle und wirksame Hilfe, wenn Dürre Existenzen bedroht.

Tirol war von der Dürre regional unterschiedlich betroffen. Die Auswirkungen sind hier aber spürbar. Fehlende Futtermengen in anderen Bundesländern wirken sich auf den Futtermittelmarkt aus. Ein höheres Angebot an Schlachtkühen könnte Preise zusätzlich belasten. Langfristig müsse die Landwirtschaft widerstandsfähiger werden, wird in der Aussendung betont.

Geisler: "Es geht um die Zukunft unserer Höfe"

Bauernbundobmann und Agrarlandesrat LHStv. Josef Geisler thematisierte die anstehenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Für die klein strukturierte Berglandwirtschaft Tirols sind verlässliche öffentliche Leistungen entscheidend. Sie sichern die Bewirtschaftung der Höfe.

Freuten sich über rund 200 Besucher am Bichlhof (v. l.): LK-Präsident NR Josef Hechenberger, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Gastgeberfamilie Gregor, Margret, Rosina, Leni und Laura Eberharter, Bauernbunddirektor Peter Raggl, Bezirkskammerobmann Andreas Prosch, Landesbäuerin Helga Brunschmid, Bezirksbauernobmann Hannes Partl, Bezirksbäuerin Monika Garber und Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler.
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"Es geht um die Zukunft unserer Höfe", sagte Geisler. "Wer beim Agrarbudget kürzt, gefährdet letztlich die flächendeckende Bewirtschaftung unserer Heimat." Eine Zusammenlegung der Agrarmittel in einem großen europäischen Einheitsfonds lehnt der Bauernbund ab. Geisler forderte eine eigenständige und ausreichend dotierte GAP. Tirols Berglandwirtschaft benötigt maßgeschneiderte Instrumente.

Angesichts des Klimawandels brauche es mehr Weitblick. Investitionen in Wasserversorgung und -speicherung gewinnen im Berggebiet an Bedeutung. "Wir müssen unsere Höfe so aufstellen, dass sie auch unter schwierigeren klimatischen Bedingungen eine Zukunft haben", so Geisler.

Hechenberger fordert mehr Wertschöpfung

LK-Präsident NR Josef Hechenberger machte klar, dass Förderungen allein nicht alle Herausforderungen lösen. Entscheidend sei, dass wieder mehr Wertschöpfung auf den Betrieben ankommt. "Unsere Betriebe stehen unter einem Kostendruck", erklärte Hechenberger. Betriebsmittel und Maschinen sind teurer geworden. Die bäuerlichen Einkommen halten oft nicht Schritt. Er forderte faire Erzeugerpreise und eine Stärkung regionaler Lebensmittel. Konsumenten, Gastronomie, Hotellerie, Handel und öffentliche Einrichtungen können die heimische Landwirtschaft unterstützen.

Direkter Austausch am Bauernhof

Bauernbunddirektor Peter Raggl zog eine positive Bilanz der diesjährigen Sommergespräche. Der direkte Austausch am Hof sei unersetzlich. Die Gespräche bieten die Gelegenheit, politische Entscheidungen zu erklären und Anliegen aufzunehmen. Bezirksbauernobmann Hannes Partl freute sich über die hohe Beteiligung. "Die große Beteiligung zeigt, dass unsere Bäuerinnen und Bauern mitreden und wissen wollen, wie es weitergeht", sagte Partl. "Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, dass wir zusammenstehen."

Bei Gesprächen und Verpflegung endete das dritte und letzte Bauernbund-Sommergespräch des Jahres.