Ein extremes Weinjahr lässt Winzer dennoch hoffen
Die außergewöhnliche Trockenheit sorgt für deutliche Mengeneinbußen, aber die Qualität der Trauben ist vielversprechend. Ein frischer Jahrgang wird es nicht.
Von Peter Weirather
Für den Großteil der Winzer begann die Lese in diesem Jahr so früh wie noch nie in ihrem Leben. Und für alle heißt es Abstriche machen. Überall gibt es Mengeneinbußen gegenüber dem Vorjahr, nicht wegen Unwetterschäden, sondern wegen der extremen Trockenheit. So manche Junganlage, die neu gepflanzt worden ist, hat es nicht geschafft. Positiv fällt dagegen die Qualität der Trauben aus, zumindest bis Ende August. Alle hoffen, dass das bis zum Ende der Lese so bleibt. Wir haben Winzer aus unterschiedlichen Gebieten befragt.
30 Prozent weniger Menge
Georg Regele, der mit seinem Weingut in Ehrenhausen in der Südsteiermark nicht nur die typischen steirischen Weißweine produziert, hat sich auch als Sektspezialist etabliert. „An eine so frühe Lese wie heuer kann ich mich nicht erinnern. Am 27. August haben wir mit der Lese für Sektgrundweine begonnen. Die Trauben sind sehr schön und die Kerne schon dunkelbraun, also reif. Allerdings rechnen wir mit etwas höheren Alkoholgehalten in den Weinen.“ Von Hagel- und Unwetterschäden blieben die steirischen Winzer weitgehend verschont, aber Regele rechnet wegen der Trockenheit mit einem Ertragsminus von 30 Prozent. „Insgesamt war es ein verzwicktes Jahr. Der Austrieb war früh, dann gab es kleinräumig in den tiefen Lagen Frostschäden. Und dann kam die extreme Trockenheit. Junganlagen haben das Jahr nicht überstanden, wenn man sie nicht bewässern konnte.“
„Die Salzlacken sind zum großen Teil ausgetrocknet. Deswegen sind die großen Vogelschwärme der Stare hier in der Gegend früher dran als je zuvor. Die Trauben in einem Weingarten, einem unserer sehr guten, waren zwar noch nicht ganz reif, für die Stare war das trotzdem die perfekte Gelegenheit. Innerhalb von circa 20 Minuten haben sie den Weingarten auf ihre Art und Weise gelesen“, schildert Süßweinspezialist Gerhard Kracher aus Illmitz im Seewinkel.
Weniger als die Hälfte Niederschlag
„Wir hatten heuer nur 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, normalerweise sind es 500 Liter“, erzählt Hannes Reinisch aus Tattendorf und ergänzt: „Wir haben aber Grundwasserbrunnen und durften in der Nacht mit Bewilligung bewässern. Trotzdem hat der Rebstock Stress bei den hohen Temperaturen. Pflanzenschutz war dafür sehr einfach. Die Beerenschalen sind sehr dick und das bedeutet mehr Tannin im Wein. Wir haben Ende August erste Traubenproben genommen und gesehen, dass die Säurewerte besser sind als erwartet. Wir werden am 24. August mit der Lese für Sekt anfangen. Ich erwarte mir einen guten Jahrgang, vielleicht eine Spur besser als 2024. Es wird jetzt in der Nacht kühler und das ist gut für die Aromenbildung. Die Tannine dürften sich sehr gut entwickeln.“
Gerhard Lobner vom Wiener Weingut Muth will sich nicht festlegen, spricht aber von deutlich weniger Menge als im Vorjahr. „Die Qualität der Trauben schaut sehr gut aus und die Säurewerte sind trotz der enormen Hitze überraschend gut!“ Willi Bründlmayer aus Langenlois: „Der Traubenansatz ist gut, die Beeren sind wetterbedingt sehr klein und haben eine erstaunliche Geschmacksintensität. Die Saftausbeute wird wohl etwas geringer ausfallen. Nach dem heißen Sommer wird die Sektlese nicht zu lange andauern.“
„Zum Glück sind wir von schweren Unwettern verschont geblieben“, freute sich Andi Kollwentz aus Großhöflein Ende August. Aber die Freude galt nicht für alle. Am 31. August zerstörte in den Abendstunden ein heftiger Hagel am Wagram einige Weingärten. Es heißt also weiterhin hoffen.