Bei Operation bevorzugt? SPÖ und Spital weisen Vorwürfe wegen Babler-Vater zurück
Die SPÖ kämpft gegen Zwei-Klassen-Medizin. Der Vorwurf, dass der Vater des Vizekanzlers bei einem Eingriff vorgereiht worden sein könnte, wiegt da schwer. Die Sozialdemokraten orten eine „beispiellose Unkultur“.
Wie dringlich war die Operation des Vaters von SPÖ-Chef Andreas Babler im Sommer? Und kam der Patient in einem Wiener Ordensspital schneller dran, weil sein Sohn der Vizekanzler ist? Diese Fragen beschäftigten am Donnerstag Medien und das Internet. Die FPÖ machte den Verdacht zum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage an Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Die Kleine Zeitung berichtete darüber unter Berufung auf Mitarbeiter des Spitals. Keinesfalls habe es eine Bevorzugung gegeben, sagt die SPÖ – und kritisiert eine „beispiellose politische Unkultur“.
Tatsächlich wurde Bablers Vater im Sommer operiert. Das bestätigt auch der Sprecher des Orthopädischen Spitals Speising. Die Operation sei wegen eines „rapiden Krankheitsverlaufs“ binnen vier Wochen nach der Einweisung nötig gewesen und innerhalb dieses Zeitraums durchgeführt worden.
Termine „ausschließlich nach medizinischen Kriterien“
Wartezeiten auf orthopädische Eingriffe können in anderen Fällen aber auch Monate betragen. Spitalssprecher Pierre Saffarnia betont dazu, dass in seinem Haus Termine „ausschließlich nach medizinischen Kriterien“ vergeben würden. Dies entspreche auch der Haltung des Hauses als Ordensspital.
Kleine Zeitung und FPÖ berufen sich in ihrer Darstellung auf Quellen aus dem Spital. Die Rede ist weiters von Unmut in der Belegschaft des Krankenhauses. Die Freiheitlichen fordern von Schumann detaillierte Aufklärung, auch über mögliche Interventionen von politischen Stellen. Sie erinnern daran, dass sich Babler als Kämpfer gegen die „Zwei-Klassen-Medizin“ inszeniere. Die Vorwürfe könnten daher seine Glaubwürdigkeit erschüttern.
Grenzüberschreitung?
Saffarnia hält dagegen, er könne keinen Unmut in der Belegschaft feststellen. Damit er Auskunft geben kann, ist das Spital von der ärztlichen Verschwiegenheit extra entbunden worden.
Babler selbst ließ eine Stellungnahme verbreiten, in der sein Kabinett den Vorwurf „mit aller Entschiedenheit“ zurückweist. Den Gesundheitszustand eines Familienangehörigen zum Thema zu machen, „überschreitet eine klare Grenze“. Die Angriffe seien „eine demokratiepolitische Entgleisung und eine beispiellose politische Unkultur“.
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