Von Islamisten festgehalten

Österreichische Geisel im Niger: 75-Jährige steht vor ihrer Freilassung

Die im Niger lebende und dort entführte Österreicherin Eva Gretzmacher galt bei den Menschen vor Ort wegen ihres Engagements als äußerst beliebt.
© APA/Gretzmacher

Eine im Jänner 2025 im Niger entführte Wienerin, die offenbar von einer islamistischen Miliz als Geisel in der Wüste festgehalten wurde, soll freikommen. Die heute 75-Jährige war in der Wüstenstadt Agadez, aus der sie entführt wurde, äußerst beliebt.

Die vor mehr als eineinhalb Jahren im Niger entführte Österreicherin, die 75-jährige Wienerin Eva Gretzmacher, soll freikommen. Das Außenministerium gab am Freitag „ermutigende Informationen“ über das Schicksal der im Jänner 2025 entführten Frau bekannt. „Der komplexe und sehr gefährliche Prozess der Freilassung und Übergabe ist jedoch noch nicht positiv abgeschlossen“, hieß es seitens des Ministeriums. Zuvor gab es Berichte über eine Befreiung der Österreicherin und einer Schweizerin.

Das lokale Onlineportal Aïr-Info Agadez berichtete über „übereinstimmende Quellen“, dass die beiden Frauen am Donnerstag freigelassen worden seien. Eine offizielle Bestätigung gebe es dafür nicht. „Die Geisel befindet sich derzeit auf libyschem Staatsgebiet“, erklärte der französische Journalist Walid Le Berbère auf Social Media. In einem Video im Onlinenetzwerk X sagt die Schweizerin, dass es ihr und der Österreicherin gut gehe.

2025 in Agadez entführt

Die Österreicherin wurde im Jänner 2025 aus ihrem Haus in der nigrischen Stadt Agadez entführt. Die Wienerin lebte vor ihrer Entführung seit fast drei Jahrzehnten in der Wüstenstadt am Rande der Sahara.

Dort gründete sie ein Kulturzentrum und organisierte Ausbildungsprogramme für Frauen. Sie wurde aufgrund ihres Engagements in Medien auch als „Engel von Agadez“ bezeichnet.

Bewaffnete Männer drangen laut Augenzeugen am Abend des 11. Jänner 2025 in ihr Haus ein und verfrachteten die Entwicklungshelferin in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, welche die Österreicherin und eine Schweizerin an eine terroristische Gruppe weiterreichten. Die Frauen sollen im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali festgehalten worden sein.

Islamistische Milizen in der Region aktiv

Die islamistische Terrormiliz JNIM, ein regionaler Ableger der Al Kaida, dementierte unmittelbar danach eine Beteiligung an der Tat. Allerdings sind auch andere Gruppierungen wie ein Ableger des IS in der Region aktiv. Sicherheitskreisen zufolge soll Gretzmacher in Mali an Jihadisten der Terrormiliz IS in der Sahelzone übergeben worden sein.

Das Dreiländereck der Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger gilt wegen der Ausbreitung islamistischer Terrorgruppen als eine der weltweit gefährlichsten Regionen. Im Niger hat sich die Sicherheitslage zuletzt deutlich verschlechtert. Nach einem Militärputsch 2023 hat das Land die Zusammenarbeit mit westlichen Sicherheitspartnern weitgehend beendet.

Aktuell noch unbestätigte Berichte, wonach beide Frauen für die Freilassung nach Libyen gebracht worden seien, seien glaubwürdig, hieß es aus dem Umfeld der Österreicherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Familie der Österreicherin und das Außenministerium waren nach eigenen Angaben intensiv um die Lösung des Falls bemüht. Das Außenministerium hatte im Jänner 2025 einen Krisenstab eingerichtet. Außerdem unterstützte der Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers, Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal, die Bemühungen um die Freilassung der Österreicherin. (TT, APA, dpa)