Zverev und Shelton stehen im US-Open-Finale
Alexander Zverev und Ben Shelton bestreiten das Finale der US Open. Der 23-jährige US-Amerikaner Shelton besiegte am Freitagabend in New York im Halbfinale seinen Landsmann Frances Tiafoe 4:6,6:3,6:3,7:5 und erreichte sein erstes Endspiel bei einem Tennis-Grand-Slam-Turnier. Davor hatte sich der topgesetzte Deutsche Zverev mit 6:3,7:6(7),7:6(6) gegen den Russen Karen Chatschanow durchgesetzt. Der French-Open-Sieger erreichte sein drittes Grand-Slam-Finale in Folge.
Zverev hat in Duellen mit Shelton eine makellose Bilanz von fünf Siegen aus fünf Spielen. Dabei gab der 29-Jährige insgesamt nur einen Satz ab. Das bisher letzte Duell entschied Zverev bei den ATP Finals im Vorjahr mit 6:3,7:6(6) für sich.
"Ich werde euch brauchen am Sonntag, um diese Energie zu bringen", sagte Shelton nach dem Halbfinale unter dem Jubel der Fans im Arthur Ashe Stadium. "Lasst uns dies für die USA tun." Zudem gedachte er in seinem Siegerinterview am 25. Jahrestag noch den Opfern des Terroranschlags vom 11. September 2001 und sprach emotional über den Tod der Mutter seines Vaters im aktuellen Jahr. "Das hier ist für sie." Der Weltranglistenneunte hatte im Viertelfinale in einer begeisternden Partie über fünf Sätze den Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus Spanien bezwungen.
Auch deshalb ist Zverevs Respekt vor Shelton groß. "Ben ist einfach ein großer, kraftvoller Kerl. Gewaltige Aufschläge, gewaltige Grundschläge. Alles, was er macht, ist einfach gewaltig." Shelton verwies darauf, dass er auch gegen Alcaraz vor diesem Turnier noch nie gewonnen hatte. "Das macht mir keine Angst", sagte er zur Bilanz gegen Zverev. "Dieses Turnier ist ein Turnier, in dem ich Sachen zum ersten Mal mache." Shelton wäre der erste männliche Amerikaner seit Andy Roddick 2003, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnt.
Vor den Augen von Showstars wie den Schauspielern Ben Stiller und Salma Hayek und Sportgrößen wie NBA-Champion Jalen Brunson und Tennis-Legende Serena Williams holte sich Tiafoe etwas überraschend den ersten Satz. Shelton stabilisierte sein Spiel, diktierte das Tempo mit seinen kraftvollen Schlägen und gewann die nächsten beiden Durchgänge.
Anfangs des vierten Satzes kam es zu Spannungen, als Tiafoe nicht bereit für einen Aufschlag Sheltons war, die Hand hob und der Punkt noch einmal gespielt werden musste. "Du musst doch sofort etwas sagen, sofort", schimpfte Shelton mit der Schiedsrichterin, die aus seiner Sicht nicht schnell genug reagiert hatte. In einem hochklassigen Satz besiegelte Tiafoe seine Niederlage mit einem Doppelfehler.
Zverev hatte sich zuvor in vier Sätzen gegen Chatschanow durchgesetzt und sein drittes Grand-Slam-Finale in Serie erreicht. Bei den US Open steht er zum zweiten Mal im Endspiel und will seinen zweiten Grand-Slam-Titel nach dem Triumph bei den French Open in diesem Jahr feiern.
Zverev will es im New-York-Finale besser machen als bei seiner Premiere 2020, bei der Fünfsatzniederlage gegen den Niederösterreicher Dominic Thiem. Sollte der 29-Jährige siegen und sich den 5,5-Millionen-Dollar-Scheck sichern, wäre er der erste Deutsche seit Boris Becker 1989, der im Männer-Einzel den US-Open-Titel holt. Andere Rekorde hat der sechsfache Grand-Slam-Finalist schon jetzt sicher. Zwei US-Open-Finale hat kein Deutscher erreicht, drei Major-Endspiele in Folge zu bestreiten, ist in seinem Land ebenfalls unerreicht.
"Ich bin unglaublich glücklich, dass ich gewonnen habe. Zum dritten Mal Grand-Slam-Finale in diesem Jahr ist schon etwas Besonderes", sagte Zverev. Er habe in vergangenen Jahren auf Majorebene viel leiden müssen. "Ich war so oft so nahe dran, jetzt ist es scheinbar so, dass es mein Jahr ist. Manchmal nehmen die Sachen einfach ihren Lauf", meinte der Deutsche. Er könne es kaum erwarten, am Sonntag auf den Platz zu gehen. "Es wird unglaublich speziell, hoffentlich kann ich dafür sorgen, dass der amerikanische Traum nicht wahr wird."
Der Weltranglistenzweite, der im Wimbledon-Finale gegen Jannik Sinner verlor, präsentierte sich im Arthur-Ashe-Stadium im Duell mit dem Weltranglisten-50. konzentriert und trumpfte in den wichtigen Momenten auf. Im ersten Satz entschied ein Break, in der Folge musste die Entscheidung jeweils im Tiebreak fallen. Dort legte der Favorit jeweils ein tolles Comeback hin. Im 2. Satz machte er ein 3:5 wett und verwertete dann seinen zweiten Satzball. Im dritten Satz war er nach einem 0:3-Start gar 4:6 hinten und musste zwei Satzbälle abwehren, ehe er gleich seinen ersten Matchball zum 8:6 nutzte. Fast drei Stunden waren da gespielt.
Gegen Chatschanow gewann er im zehnten Duell zum siebenten Mal, gegen ihn hatte er sich auch im olympischen Finale von Tokio 2021 bereits die Goldmedaille gesichert. Der Russe klagte danach über eine Marotte Zverevs. Der Hamburger lässt den Ball sehr oft aufspringen, bevor er serviert. "Das nervt nicht nur mich, sondern natürlich viele Spieler, weil es so viel Zeit kostet. Man weiß gar nicht, wie man sich auf den Aufschlag vorbereiten soll."
Der zeitintensive Ablauf von Zverev vor seinem Aufschlag erregte bei den US Open auch bereits Aufsehen in sozialen Netzwerken. Er habe vor dem Match eine Statistik gesehen, dass er den Ball in dem Turnier bereits 12.000-mal aufspringen gelassen hatte, sagte der Weltranglistenzweite selbst. "Das ist ziemlich lustig", meinte Zverev. Er habe keine Ahnung, warum er dies mache. Dies sei keine Absicht.
Er zähle im Kopf nicht bis zu einer bestimmten Zahl. "Ich weiß nicht, warum es so stark gestiegen ist. Ich glaube, heute ist es wieder gesunken, weil ich es vor dem Halbfinale gesehen habe und dachte: 'Okay, es muss weniger werden'", erklärte Zverev, der auch im Halbfinale den Ball immer wieder bis zu 20-mal vor einem Aufschlag tickte. Einmal kassierte er eine Verwarnung für eine Zeitüberschreitung. Die Spieler haben vor dem ersten Aufschlag 25 Sekunden Zeit, um den Ball ins Spiel zu bringen, nachdem der Unparteiische den Spielstand angesagt hat.
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