Demografischer Wandel

Topökonom lässt aufhorchen: AMS soll auch Beschäftigten jährlich Jobangebote schicken

Das AMS soll sich laut IHS nicht nur um Arbeitslose kümmern.
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IHS-Chef Holger Bonin schlägt vor, Beschäftigte in die besten Jobs zu bringen und nicht nur Arbeitslosen eine Stelle zu verschaffen. Die Gewerkschaft findet den Vorstoß gut.

Aufhorchen lässt jetzt der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Holger Bonin. Laut dem Topökonomen sollte das Arbeitsmarktservice (AMS) künftig auch aktiv Beschäftigte bei der Jobsuche unterstützen. Angesichts des demografischen Wandels müsse die Arbeitsmarktpolitik bereits Erwerbstätige in Stellen vermitteln, in denen ihre Fähigkeiten produktiver eingesetzt werden, sagt er im Podcast „Geht so. Passt schon. Oder?“. Konkret schlägt Bonin vor, dass das AMS Arbeitnehmern einmal im Jahr per Newsletter passende Joboptionen übermittelt.

Durch die Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge verändere sich die Lage am Arbeitsmarkt grundlegend, betonte er. Weil die Zahl der Arbeitskräfte schrumpfe, müsse die Produktivität gesteigert werden. Bisher habe sich das AMS vorrangig auf Arbeitslose konzentriert. „Lange Zeit war die Aufgabe: Wir müssen Arbeitslose wieder zurück in Beschäftigung bringen. Jetzt ist die Aufgabe: Wir müssen Beschäftigte in den besten Job bringen, den sie kriegen können“, so Bonin.

Menschen in bessere Jobs bringen

Die Information über bessere Jobchancen sei eine staatliche Aufgabe, da viele Menschen ihre Marktchancen unterschätzen würden. „Die Menschen sind viel zu früh zufrieden mit dem, was sie haben, weil sie nicht wirklich wissen, was sie haben könnten“, sagte der Ökonom.

Dass ein solches staatliches Job-Matching den Wettbewerb der Unternehmen um Arbeitskräfte verschärfen würde, bewertet Bonin positiv. „Als Volkswirt muss ich sagen: Genau das wollen wir. Wir wollen nicht, dass Jobs, die eben nicht so gut sind, erhalten werden. Wir wollen, dass die Menschen in die besseren Jobs kommen“, erklärte der IHS-Direktor. Um die nötige berufliche Mobilität abzusichern, fordert er eine stärkere Absicherung beruflicher Veränderungen. Als mögliche Maßnahme nennt er unter anderem eine bessere steuerliche Berücksichtigung von Umzugskosten.

Gewerkschaft begrüßt Vorschlag

Die Gewerkschaft GPA kann Bonins Vorschlag viel abgewinnen. „Die Arbeitslosigkeit steigt weiterhin, KI sorgt für Disruptionen am Arbeitsmarkt und gleichzeitig suchen Unternehmen in bestimmten Bereichen trotzdem händeringend nach Fachkräften“, sagte GPA-Vorsitzende Barbara Teiber.

„Berufstätigen neue Perspektiven für ihre Karriereentwicklung aufzuzeigen ist ein vernünftiger Schritt. Das AMS ist gut geeignet, sich in diese Richtung zu entwickeln.“ Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer etwa in einem jährlichen AMS-Newsletter auf Job-Optionen hingewiesen würden oder sich beim AMS Beratungen für den weiteren Karriereweg sichern könnten, würde sich auch ihr Verhandlungsspielraum im eigenen Unternehmen erhöhen. (APA, TT)