Treffen in Finnland: Europa will in der Arktis Flagge zeigen
Die EU will in der Arktis den Großmächten Russland, China und auch den USA Paroli bieten. Empörung über russische Eskalation in der Ukraine.
Die Europäer nehmen den Kampf um Einfluss in der Arktis auf. Bei einem zweitägigen Gipfeltreffen in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis haben mehrere europäische Staats- und Regierungschefs sowie EU-Vertreter darüber beraten, wie sich Europas Interessen in der geopolitisch immer wichtiger werdenden Region sichern lassen. Dabei geht es um neue Schifffahrtsrouten, die durch den klimabedingten Rückgang des arktischen Meereises entstehen, aber auch um unerschlossene Rohstoffvorkommen und vor allem um Sicherheitsbedrohungen durch militärische Aktivitäten Russlands und Chinas.
„Wir sind uns einig, dass die EU ihre Aktivitäten verstärken muss, um Stabilität, nachhaltige Entwicklung und Wohlstand zu fördern und zugleich ihre Interessen zu schützen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Hohe Norden sei mittlerweile der kritischste Bereich für die Sicherheit des europäischen Kontinents, erklärte Deutschlands Kanzler Friedrich Merz.
Treffen im Schatten russischer Eskalation
Das Treffen stand ganz unter dem Eindruck eines russischen Drohnenangriffs auf einen Personenzug in der Ukraine in unmittelbarer Nähe zur polnischen Grenze, der möglicherweise westlichen Diplomaten gegolten hat. Der Angriff vom Sonntag habe gezeigt, dass Russland „von Tag zu Tag aggressiver“ werde, sagte Finnlands Regierungschef Petteri Orpo. Russland sei „eine permanente Bedrohung für ganz Europa“. Finnland hat eine mehr als 1300 Kilometer lange Grenze zu Russland und ist wie der Nachbar Schweden wegen der Bedrohung aus dem Osten gerade erst der NATO beigetreten.
Nach Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas handelt es sich bei den jüngsten russischen Angriffen um eine Abschreckungstaktik Moskaus. „Ich denke, es soll ganz offensichtlich westlichen Ländern Angst davor gemacht werden, die Ukraine zu unterstützen“, erklärte sie. Der Westen müsse als Antwort zeigen, „dass wir für die Ukraine da sind und keine Angst haben“.
Der Angriff hatte am Sonntag stattgefunden. Russland attackierte Bahnstrecken in der Ukraine. Unweit der Grenze zu Polen traf eine Drohne nach ukrainischen Angaben einen Passagierzug nach Warschau. Kurz zuvor hatte ein Sonderzug die Strecke passiert, in dem sich Sicherheitsberater aus mehreren EU-Staaten befanden sowie mehrere ehemalige europäische Staats- und Regierungschefs, unter ihnen der britische Ex-Premierminister Boris Johnson.
Trump schielt auf Grönland
Abseits der Bedrohungen aus Russland sieht sich Dänemark in der Arktis mit Besitzansprüchen von US-Präsident Donald Trump auf Grönland konfrontiert. Das weitgehend autonome, aber zum Königreich Dänemark gehörende Territorium ist wegen seiner militärstrategischen Lage, aber auch wegen der dort vermuteten Bodenschätze geopolitisch interessant. Im Nordwesten Grönlands unterhalten die USA einen Militärstützpunkt, die Pituffik Space Base.
Gipfelgastgeber Finnland versuchte bei den Gesprächen deutlich zu machen, dass die Arktis als ein integraler Bestandteil europäischer Sicherheit betrachtet werden muss - und das nicht mehr nur aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive. Als ein Beispiel für Bedrohungen gelten von Norwegen und Großbritannien offengelegte Aktivitäten russischer Unterseeboote im Frühjahr. Nach Angaben aus NATO-Kreisen gilt es mittlerweile als sicher, dass die Boote nahe Spitzbergen eine neuartige Technologie zur weitgehend spurenlosen Sabotage von Unterseekabeln erprobt haben. (TT, dpa, APA)
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